Standardmodell der Teilchenphysiker in Frage gestellt
Ein Theoriegebäude, mit dem Physiker seit über 30 Jahren fundamentale Eigenschaften der Materie beschreiben, wurde unerwartet erschüttert. Das sogenannte “Standardmodell” stimmt nicht mit Ergebnissen von Versuchen überein, die Forscher mit dem Teilchenbeschleuniger im amerikanischen Brookhaven durchgeführt haben. “Wir sind uns zu 99 Prozent sicher”, sagt der Physiker Gerry Bunce. Er hat das Experiment jetzt auf einer Sonderkonferenz in Brookhaven vorgestellt.
Das Standardmodell haben Physiker in den 60-er Jahren entwickelt. Es soll die Beziehungen von drei der vier fundamentalen Kräfte der Natur beschreiben: die elektronmagnetische, die starke und die schwache Kraft. Die vierte fundamentale Kraft, die Gravitation, konnte nicht in das Modell eingearbeitet werden. Alle seitdem durchgeführten Experimente hatten Voraussagen des Standardmodells bestätigt. Um so unerwarteter kam jetzt die Nachricht aus Brookhaven.
“Die Arbeit könnte eine völlig neue Forschungswelt für Physiker eröffnen”, sagt Lee Roberts, ein Kollege von Bunce.
Bei dem Experiment haben Bunce und sein Team enge Verwandte des Elektrons, sogenannte “Müonen”, durch ein starkes Magnetfeld geschickt. Die Müonen sollten dabei den Impuls ändern, mit dem die einzelnen Teilchen um sich selbst drehen. Das Standardmodell macht Angaben darüber, wie sich der Drehimpuls ans Magnetfeld anpassen müsste. Das Experiment offenbarte jedoch ein von der Theorie deutlich abweichendes Verhalten der Müonen.
An dem Experiment haben Forscher aus Amerika, Deutschland, Russland und Japan teilgenommen.
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