Die einzigartige Vulkanlandschaft von Island hat ihre Wurzel tief im Innern der Erde. Diese Theorie, die kürzlich angezweifelt worden war, wird jetzt durch eine neue Analyse von Erdbebendaten untermauert, die Forscher um Cecily Wolfe von der University of Hawaii in den “Geophysical Research Letters” (Bd. 29, Nr. 2) vorstellen.
Mindestens 400 Kilometer tief in den Erdmantel reicht eine Zone, in der die Erdbebenwellen unter Island sich verlangsamen. Das deutet darauf hin, dass das Gestein dort heisser und weicher ist als gewöhnlich in diesen Tiefen. Wolfe und Kollegen sehen diese Zone niedriger Geschwindigkeit, die sie mit dem Verfahren der seismischen Tomografie dreidimensional darstellen konnten, als Kopf eines so genannten “Plumes” an, der heisses Gestein möglicherweise aus dem tiefsten Erdmantel bis an die Oberfläche schleust.
Der tiefere, schlauchförmige Teil des Plumes ist mit den Daten von Wolfe und ihren Kollegen nicht zu erkennen, da sie nur ein Netz von Erdbebenstationen auf Island selbst verwendeten. Andere Modelle vom Innern der ganzen Erde deuten allerdings darauf hin, dass an der Grenze zwischen Erdmantel und Erdkern unter Island eine Stelle mit besonders heissem Material liegt – möglicherweise die Basis des Plumes.
Das ungewöhnliche an dem isländischen “Hotspot” ist seine Lage an der Grenze zwischen zwei Erdplatten: Island liegt direkt auf dem mittelatlantischen Rücken, einem riesigen Unterwassergebirge, entlang dessen sich Europa und Amerika um zwei Zentimeter pro Jahr auseinanderschieben. Dabei quillt ebenfalls Magma aus dem Erdmantel an die Oberfläche. Das heisse, aufquellende Gestein aus dem Island-Plume wölbt die Erdkruste noch weiter nach oben, so dass Island als Insel über Wasser liegt. Das Gestein unterscheidet sich auch chemisch von gewöhnlichem Ozeanboden, so dass eine andere Quelle wahrscheinlich ist.
Ute Kehse





