Nach Ansicht von Minoru Ozima und seinen Kollegen erklärt diese Theorie jedoch weder die ungewöhnlich große Menge an Stickstoff im Mondgestein noch das ungewöhnliche Verhältnis der verschiedenen Stickstoffvarianten. Die Forscher vermuteten den Ursprung des Stickstoffs vielmehr auf einer nicht magnetischen Erde und berechneten in verschiedenen Simulationen, unter welchen Bedingungen das Element zum Mond gelangt sein könnte. Das Ergebnis: Besäße die Erde kein Magnetfeld, würde der Sonnenwind direkt auf die oberen Atmosphärenschichten einwirken und den Stickstoff wie ein Förderband zum Mond transportieren. Dort würde er auf das Gestein der Oberfläche treffen und eingebaut werden.
Die Ergebnisse der Berechnungen stimmen gut mit den gemessenen Stickstoffmengen überein, schreiben die Forscher. Demnach muss es kurz nach der Entstehung von Erde und Mond einen Zeitraum gegeben haben, in dem das Erdmagnetfeld entweder noch gar nicht existierte oder sehr viel schwächer war als heute. Die Wissenschaftler hoffen sogar, den genauen Zeitpunkt der Magnetfeldentstehung bestimmen zu können: Da der Stickstofftransport mit der Bildung des Magnetfeldes nahezu aufgehört habe, sollte danach entstandenes Mondgestein sehr viel weniger Stickstoff enthalten als älteres.
Minoru Ozima (Universität von Tokio) et al.: Nature, Bd. 436, S. 655





