Seit die Raumsonde Huygens am 14. Januar auf dem Saturnmond Titan gelandet ist, besteht kein Zweifel mehr, dass es auf Titan regnet, dass es Flüsse und Wolken gibt. Nun machen sich Planetenforscher Gedanken über die Physik des seltsamen Mondes. Das vorläufige Ergebnis: Regenbögen dürften auf Titan zu sehen sein, Boot fahren könnte schwierig werden.
So fremd der Saturnmond Titan auch ist: In vielen Dingen ähnelt er der Erde mehr als die meisten anderen Himmelskörper des Sonnensystems. Die wichtigste Gemeinsamkeit zwischen dem fernen Mond und der Erde besteht darin, dass auf seiner Oberfläche zumindest zeitweise eine Flüssigkeit strömt. Allerdings handelt es sich nicht um Wasser ? das Lebenselixier der Erde wäre bei Temperaturen um minus 170 Grad Celsius hart wie Stein ? sondern um Methan.
Niemand weiß, wie oft es auf Titan regnet. “Aber wenn es regnet, dann sammelt sich sehr viel mehr Dampf in der Atmosphäre als in der Erdatmosphäre. Es könnte also sehr intensive Schauer geben”, sagt Jonathan Lunine von der University of Arizona. Vielleicht auch Regenbögen: “Die beiden wichtigsten Zutaten für einen Regenbogen sind Sonnenlicht und Regentropfen. Titan hat beides”, berichtet Optik-Experte Les Cowley. Ein Regenbogen auf Titan würde etwas größer erscheinen als ein irdischer, da Methan einen etwas anderen Brechungsindex hat als Wasser. Aber die Verteilung der Farben wäre gleich. Wahrscheinlich sind sichtbare Regenbögen auf Titan aber ein seltenes Ereignis, da sich direktes Sonnenlicht in der dunstigen Atmosphäre des Saturn-Mondes kaum ausbreiten kann. Infrarotes Licht kann den Dunstschleier aber durchdringen, so dass ein zukünftiger Astronaut wahrscheinlich mehr Glück hätte, wenn er ein Nachtsichtgerät mitnehmen würde.
Huygens hat auf Titan zwar keine stehenden Gewässer entdeckt, aber womöglich bilden sich nach einem Schauer Tümpel oder Seen. Darauf Boot zu fahren wäre allerdings schwierig: Flüssiges Methan hat eine sehr viel geringere Dichte als Wasser und trägt nur ultraleichte Wasserfahrzeuge. Holz würde auf einem Methansee zum Beispiel untergehen. Methan ist auch wesentlich dünnflüssiger als Wasser und hat eine niedrigere Oberflächenspannung. Eine Schiffsschraube müsste daher wesentlich größer sein, um mehr von der dünnen Flüssigkeit verschieben zu können. Eine weitere Herausforderung für Schiffsbauer dürften die riesigen Wellen auf dem Saturnmond sein ? wenn es welche gibt. Wegen der geringen Schwerkraft türmen sie sich zur siebenfachen Höhe der höchsten irdischen Brecher auf. Dabei bewegen sie sich nur mit einem Drittel der typischen Geschwindigkeit.
Vorsichtig müssen zukünftige Astronauten auch mit ihren Sauerstoffvorräten sein: Methan ist bekanntlich ein Kohlenwasserstoff und brennt daher hervorragend. Immerhin gibt es auf Titan keinen Sauerstoff in der Atmosphäre, um den Stoff zu entflammen.
Ute Kehse





