Während unsere Vorfahren noch tausende Sterne und das leuchtende Band der Milchstraße mit bloßem Auge am Nachthimmel sehen konnten, ist dies heute nur noch an wenigen Orten auf der Welt möglich. Denn unsere künstliche Beleuchtung verdrängt zunehmend die nächtliche Dunkelheit. Vor allem in dicht bevölkerten Regionen wird es durch diese Lichtverschmutzung auch nachts nicht mehr richtig dunkel. Hauptgrund dafür ist Streulicht von Straßenlampen, beleuchteten Industrieanlagen, Leuchtreklamen und anderen menschengemachten Lichtquellen. Bereits 2016 stellte eine Studie fest, dass rund 80 Prozent der Weltbevölkerung von Lichtverschmutzung betroffen sind und anomal helle Nächte erleben. Dies hat Auswirkungen auf unsere Gesundheit, weil es den Tag-Nacht-Rhythmus und die Ausschüttung beispielsweise des Schlafhormons Melatonin stören kann. Noch gravierender sind die Folgen für viele Tiere, denn die künstliche Beleuchtung stört ihren Beutefang, ihre Migration, ihre Fortpflanzung und viele weitere Verhaltensweisen.
Freiwillige als Himmelsgucker
Das Problem der Lichtverschmutzung ist schon länger bekannt und in vielen Ländern wurden deshalb bereits Maßnahmen zur Verringerung des Streulichts eingeführt. So wurden Straßenlaternen mit Schirmen gegen das Abstrahlen nach oben ausgestattet, außerdem wurden viele der orange leuchtenden Natriumdampflampen durch die sparsameren LED-Lampen ersetzt. Ob dies allerdings die Lichtverschmutzung durch den diffusen “Skyglow” verringert, ist unklar – und ließ sich bisher nur schwer messen. “Die einzigen Satelliten, die zurzeit die gesamte Erde in Bezug auf Streulicht überwachen können, haben nur eine begrenzte Auflösung und Sensitivität und können kein Licht mit Wellenlängen unterhalb von 500 Nanometern detektieren”, erklären Christopher Kyba vom Deutschen GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) und seine Kollegen. Dadurch entgeht ihnen das kurzwelligere Licht der weißen LEDs.
Eine Alternative bietet das seit 2006 laufende Citizen-Science-Projekt „Globe at Night“. In diesem Projekt beobachten Freiwillige den Nachthimmel und geben dann in einer App oder einem Online-Formular an, welche von acht Sternkarten für ihren Standort am besten zu dem passt, was sie am Himmel sehen. Jede dieser Karten zeigt den Himmel bei verschiedenen Graden an Lichtverschmutzung und mit dementsprechend mehr oder weniger sichtbaren Sternen. „Die Beiträge der einzelnen Menschen wirken zusammen wie ein globales Sensornetz, das uns einen ganz neuen Forschungsansatz ermöglicht“, sagt Kyba. Für ihre Studie haben er und sein Team nun die Daten von mehr als 51.000 solcher bei wolkenlosem Himmel gemachten Beobachtungen aus der Zeit von 2011 bis 2022 ausgewertet. Sie repräsentieren 19.262 Standorte weltweit, davon ein Großteil in Nordamerika und Europa. Aus diesen Daten und ergänzend einem globalen Modell ermittelten die Forscher die Himmelshelligkeit und ihre Veränderung in den letzten Jahren.





