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Immer mehr Meeressäuger außerhalb ihrer Lebensräume
Erde & Umwelt

Immer mehr Meeressäuger außerhalb ihrer Lebensräume

Dieses Walross tauchte wiederholt an der Küste Schottlands auf, hier auf den schottischen Scilly-Inseln. · Foto: Dan Jarvis, BDMLR/ Diversity, CC-by 4.0

Wochenlang sorgte der in Deutschland gestrandete Buckelwal „Timmy“ für Schlagzeilen. Doch seine Geschichte ist kein tragisches Einzelschicksal. Weltweit verirren sich zunehmend Meeressäuger in Gebiete, die fernab ihrer eigentlichen Heimat liegen und für ihr Überleben oft ungeeignet sind. Das legt eine Studie nahe,…
Autor
Redaktion
06. Mai 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Im März und April 2026 verfolgten Millionen Deutsche das Schicksal des Buckelwals „Timmy“, der sich an die deutsche Ostseeküste verirrt hatte und trotz zahlreicher Rettungsversuche immer wieder strandete. In Schottland sorgt derzeit das Walross „Magnus“ für Aufmerksamkeit, das immer wieder an schottischen Küsten weit südlich seiner arktischen Heimat gesichtet wird. Doch diese Tiere, denen die Öffentlichkeit Namen gibt und deren Schicksal medial verfolgt wird, sind nur ein kleiner Teil der zahlreichen Meeressäuger, die weltweit fernab ihrer Lebensräume auftauchen und in vielen Fällen verenden.

Globales Phänomen

Um einen Eindruck von den Ausmaßen des Problems zu gewinnen, hat ein Team um Maia Killian von der University of Bristol in Großbritannien nun zahlreiche Fachleute aus den Bereichen Meeresschutz, Walbeobachtung und Meeressäugerforschung zu ihren Erfahrungen mit sogenannten „Out-of-Habitat“-Fällen bei Meeressäugern befragt. „Anhand von Fragebögen und Fallstudien erfuhren wir von 42 verschiedenen betroffenen Meeressäugetierarten“, berichtet das Team. „Das deutet darauf hin, dass es sich um ein globales Phänomen handelt, von dem mindestens 34 Prozent aller bekannten Robben- und Walarten betroffen sind.“

Besonders sichtbar wird das bei Arten, die plötzlich in ungewohnten Regionen auftauchen: Walrosse wurden in den vergangenen Jahren wiederholt weit südlich ihres arktischen Lebensraums in gemäßigten europäischen Gewässern gesichtet. Ein Zwergwal schwamm bis nach London, auch ein arktischer Weißwal (Beluga) wurde in der Themse dokumentiert, ein Schwertwal in der französischen Seine. In Peru haben sich Galápagos-Seebären – eine gefährdete Art – inzwischen in dritter Generation auf einer Insel angesiedelt, die rund 1.800 Kilometer entfernt von ihrer Heimat liegt.

Klimawandel als Ursache

Viele der befragten Experten gaben an, dass solche Ereignisse ihrem Eindruck nach zunehmen. Die wichtigste Ursache sehen sie in den Auswirkungen des Klimawandels. „Meeressäuger reagieren sensibel auf Veränderungen ihrer Umwelt. Wenn sich Meerestemperaturen, Nahrungsverfügbarkeit und Lebensräume verschieben, sind diese Tiere gezwungen, sich neue Gebiete zu suchen“, erklärt Co-Autorin Laetitia Nunny von der Meeresschutzorganisation OceanCare. „Entscheidend ist nun, Schutz- und Reaktionsstrukturen so an diese neue Realität anzupassen, um sowohl das Wohlergehen der Tiere als auch der Menschen zu schützen.“

Bisher ist der Umgang mit solchen Fällen uneinheitlich. Nur 40 Prozent der befragten Fachleute hielten ihre lokalen Behörden oder Rettungsnetzwerke für ausreichend vorbereitet. Gerade in dicht besiedelten Gebieten können große Meeressäuger die Rettungsteams vor Herausforderungen stellen. Laut OceanCare braucht es für einen erfolgreichen Umgang nicht nur Fachwissen, sondern auch klare Abläufe, Ressourcen und Training, auch im Umgang mit möglichen Konflikten zwischen Mensch und Tier.

„Wenn Walrosse an Europas Küsten und Wale weit außerhalb ihrer Habitate auftauchen, sind das keine kuriosen Einzelfälle. Sie mahnen, wie stark sich die Ozeane bereits verändern“, sagt Kilians Kollege Mark Simmonds. „Die Studie dokumentiert nun erstmals, dass dieses Phänomen global auftritt – und deutlich ernster genommen werden muss.“ OceanCare fordert deshalb eine bessere internationale Erfassung solcher Fälle, klare Protokolle für Rettungseinsätze sowie eine konsequente Reduktion der Treibhausgasemissionen.

Quelle: Maia Killian (University of Bristol, UK) et al., Diversity, doi: 10.3390/d18050270

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