Invasive Arten können heimische Spezies verdrängen und gelten deshalb weltweit als eine der größten Gefahren für die Artenvielfalt. Doch ihre Bekämpfung ist zeitaufwendig und kostspielig. Da eine flächendeckende Überwachung kaum möglich ist, werden viele gebietsfremde Arten erst spät entdeckt, was ihre Bekämpfung erschwert. Forschende versuchen deshalb, einfache und niederschwellige Früherkennungsprogramme zu entwickeln, an denen auch die Bevölkerung mitwirken kann.
Umweltschutz bei der Gassi-Runde
Ein solches Programm hat ein Team um Annegret Grimm-Seyfarth vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig nun in Deutschland entwickelt und getestet – mit auf den ersten Blick ungewöhnlichen Helfern: „Wir haben 31 Hunde und ihre Besitzer zu ehrenamtlichen Teams zum Aufspüren invasiver Pflanzenarten ausgebildet“, berichten die Forschenden. Weil Hunde über einen besonders guten Geruchssinn verfügen, bot es sich an, ihre Schnüffler-Fähigkeiten auch für die Suche nach bestimmten Pflanzenarten einzusetzen.
Ein weiterer Vorteil: „Das Projekt bietet die Möglichkeit, etwas, das die Menschen ohnehin gerne tun – Zeit mit ihren Hunden im Freien zu verbringen –, in einen sinnvollen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt zu verwandeln“, erklärt das Forschungsteam. „Mit der richtigen Ausbildung könnten alltägliche Spaziergänge zu einer zusätzlichen Ressource für die frühzeitige Erkennung invasiver Pflanzen werden.“
Strukturiertes Training
Die Rassen der teilnehmenden Hunde waren breit gefächert und umfassten unter anderem Dackel, Schäferhunde, Golden Retriever, Labradoodle und verschiedene Mischlinge. Die teilnehmenden Hundebesitzer lernten in einer Kombination aus Online-Seminaren und praktischen Trainings, ihre Hunde auf die Erkennung von drei weit verbreiteten invasiven Pflanzen zu trainieren: rotes Springkraut (Impatiens glandulifera), Ambrosia (Ambrosia artemisiifolia) sowie die Gruppe der Flügelknöteriche (Fallopia spp.).
Dazu brachten die Teilnehmenden ihren vierbeinigen Gefährten zunächst bei, das entsprechende Ziel passiv anzuzeigen. Die Hunde sollten die entsprechende Pflanze also nicht berühren, sondern ihre Entdeckung stattdessen kundtun, indem sie still stehen bleiben oder sich hinsetzen oder legen und Blickkontakt zu ihrem Besitzer aufnehmen. Wenn sie dazu in der Lage waren, folgten in der zweiten Trainingsphase tatsächliche Suchaufgaben. Unterstützt wurden die Teams aus Hund und Mensch von erfahrenen Hundetrainern.
Erkennungsquote von 75 Prozent
Den Abschluss der Ausbildung bildete ein Feldtest, bei dem die Fähigkeiten der Hunde in freier Wildbahn geprüft wurden. Zwölf Teams meldeten sich dazu an, elf bestanden den Test und erzielten eine durchschnittliche Erkennungsquote von 75 Prozent. Keiner der Hunde zeigte irrtümlich nicht gesuchte Pflanzenarten an. „Die Ergebnisse zeigen, dass es grundsätzlich möglich ist, ehrenamtliche Spürhund-Teams für die Erkennung invasiver fremder Pflanzen auszubilden, sodass die Hunde Zielarten zuverlässig identifizieren können“, schreiben die Forschenden.
Aus dieser ersten Machbarkeitsstudie leiten Grimm-Seyfarth und ihr Team Lehren für zukünftige ähnliche Projekte ab. So war das Training der Hunde am erfolgreichsten, wenn sie sowohl mit Spielzeug als auch mit Leckerchen belohnt wurden. Auch die Vorerfahrung der Hunde spielte eine Rolle, wobei Tiere, die bereits zuvor an Aufgaben zur Geruchserkennung gewöhnt waren, besonders schnell lernten. „Unsere Forschung unterstreicht die Bedeutung einer sorgfältig konzipierten Ausbildung und kontinuierlicher Begleitung sowohl durch Hundetrainer als auch durch Ökologieexperten, um den Freiwilligenteams zu helfen, bei realen Einsätzen erfolgreich zu sein“, erläutert das Forschungsteam.
Quelle: Annegret Grimm-Seyfarth (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, UFZ, Leipzig) et al., PLOS One, doi: 10.1371/journal.pone.0359003





