Eine neue Software soll Schwerhörigen in Zukunft das Telefonieren erleichtern. Das von europäischen Forschern entwickelte Programm namens “SimFace” simuliert das Gesicht des Gesprächspartners auf einem Bildschirm, so dass Menschen mit Hörproblemen auch dessen Lippenbewegungen ablesen können. Das berichtet der Online-Dienst des Wissenschaftsmagazins New Scientist.
Das System ist vor allem für Leute mit Hörschwierigkeiten gedacht, weniger für absolut Gehörlose, sagen die Forscher. Es läuft auf einem herkömmlichen Laptop und kann an jedes Telefon oder Handy angeschlossen werden. Die Software identifiziert keine ganzen Wörter, sondern einzelne Laute, so genannte Phoneme, und berechnet aus den Tönen die zugehörigen Lippenbewegungen. Sie braucht etwa 200 Millisekunden, um das animierte Bild zu erzeugen. Diese Verzögerung gleicht das System aber wieder aus, so dass Bild und Ton synchron sind.
SimFace arbeitet mit einem so genannten neuronalen Netzwerk. Solche Systeme imitieren die Arbeitsweise der Neuronen im Gehirn und sind lernfähig. Da die Funktionsweise des Programms auf einzelnen Lauten und nicht auf kompletten Wörtern basiert, ist die Software sehr flexibel und kann in der Bildanimation auch Wörter darstellen, die sie noch nicht kennt.
Forscher des britischen Königlichen Nationalen Instituts für Gehörlose ( RNID) führten erste Tests mit dem Prototypen des Programms durch. 84 Prozent der Versuchsteilnehmer konnten mithilfe von SimFace Wörter besser verstehen und sich ganz normal per Telefon unterhalten. “Die Präzision des Programms muss immer noch verbessert werden”, erklärt Neil Thomas vom RNID. “Doch es könnte vielen Menschen mit Hörproblemen das Leben erleichtern.” Bislang läuft SimFace auf Englisch, Schwedisch und Niederländisch. Es wurde gemeinsam von schwedischen, britischen, niederländischen und belgischen Wissenschaftlern entwickelt.
ddp/bdw ? Cornelia Dick-Pfaff





