Zweifelsfrei gefunden wurde bisher kein außerirdisches Signal. Grund genug für Horvat, sich Gedanken darüber zu machen, wie groß denn überhaupt die Erfolgsaussichten der SETI-Projekte sind. Dazu unterscheidet er zunächst zwischen Radiobotschaften, die von einer außerirdischen Zivilisation absichtlich zur Kontaktaufnahme ausgesandt werden und Signalen, die unabsichtlich in den Weltraum entweichen, wie die bereits erwähnten Radio- und TV-Signale.
Absichtlich ausgesandte Botschaften wären mit Sicherheit sehr viel stärker als die elektromagnetischen Wellen, die als “Abfall” des täglichen Radio- und Fernsehkonsums der fremden Zivilisation in den Weltraum abstrahlen. Eine intelligente Zivilisation würde Versuche zur Kontaktaufnahme vermutlich nur gezielt auf solche Sternsysteme richten, von denen sie annimmt, dass sie eventuell Leben beherbergen könnten. Andererseits hält Horvat es wegen der Kosten und des Aufwandes für kaum vorstellbar, dass irgendeine Zivilisation solch ein Signal für längere Zeit aufrechterhalten würde.
Wie aussichtslos der zielgerichtete Versuch einer Kontaktaufnahme mit außerirdischen Zivilisationen ist, macht die von den Astrophysikern Carl Sagan und Frank Drake initiierte Arecibo-Botschaft deutlich. Am 16. November 1974 wurde vom Arecibo-Radioteleskop auf Puerto Rico eine etwa drei Minuten lange kodierte Botschaft in Richtung eines etwa 23.000 Lichtjahre entfernten Kugelsternhaufens gesandt. Die Nachricht wurde nicht wiederholt. Damit sie von möglichen Bewohnern eines Planeten in diesem Sternhaufen empfangen werden kann, müssen deren Astronomen also in 23.000 Jahren mit einem ihrer Radioteleskope in Richtung Erde “lauschen” und zwar exakt während der drei Minuten, in denen unsere Nachricht sie erreicht. Außerdem müssen sie ihren Empfänger natürlich auf die richtige Frequenz eingestellt haben.
Mehr Chancen hat nach Horvat dagegen das Lauschen nach den unabsichtlich in den Weltraum abgestrahlten Radio- und TV-Signalen einer außerirdischen Zivilisation. Horvat geht davon aus, dass die Außerirdischen solche Signale ähnlich wie wir rund um die Uhr erzeugen würden und zwar über einen Zeitraum von einigen hundert Jahren. Nach Ablauf dieser Zeitspanne sollte jede durchschnittliche Zivilisation in die “radiostille” Phase übergehen, in der sie mittels fortschrittlicherer Techniken kommuniziert wie beispielsweise Lichtfaserkabeln oder Lasertechnik.
Der Rest ist nun mehr oder weniger nur noch “Rechnerei”, vor der allerdings noch einige Annahmen über Unbekannte gemacht werden müssen. Der größte Unsicherheitsfaktor ist eine realistische Annahme über die Anzahl der intelligenten Zivilisationen, die unsere Milchstraße bevölkern. Mittels einer Gleichung, die der bereits erwähnte Frank Drake im Jahr 1960 aufstellte, kommt Horvath bei einer eher konservativen Schätzung auf 5 Zivilisationen, bei optimistischeren Annahmen dagegen auf 300. Die Lebensdauern dieser Zivilisationen setzt Horvath zwischen 250.000 und 4 Millionen Jahren an.
Das Ergebnis ist bei realistischen Annahmen ernüchternd. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass wir ein Radiosignal von Außerirdischen auffangen, beträgt bei 30 Zivilisationen in der Milchstraße, die 500 Jahre lang radiolaut sind, ein halbes Prozent. Dabei wurde angenommen, dass wir Signale bis aus einer Entfernung von 10.000 Lichtjahren entdecken können. Das ist etwa ein Zehntel des Durchmessers der Milchstraße. Es spielt dabei keine Rolle, wie lange wir beobachten. Horvath setzt lediglich voraus, dass wir alle Himmelsrichtungen auf allen Radiofrequenzen durchsuchen.
Eine zukünftige Verbesserung unserer Empfangstechnik, die das Auffangen von Signalen aus der gesamten Milchstraße ermöglichen würde, würde die Wahrscheinlichkeit für den Empfang außerirdischer Radiosignale in den zweistelligen Prozentbereich anheben. Bei einer Annahme von 300 intelligenten Zivilisationen in unserer Milchstraße, die jeweils für 2500 Jahre radiolaut sind, wäre es dann beinahe sicher, dass wir mindestens die Signale von einer dieser Zivilisationen auffangen.
Übrigens: Einem Vorschlag von Giuseppe Cocconi und Philip Morrison aus dem Jahr 1959 folgend, halten viele Wissenschaftler die Frequenz 1,42 Gigahertz für das absichtliche Aussenden einer interstellaren Botschaft für besonders geeignet. Diese Frequenz wird auf natürliche Weise von neutralem Wasserstoff erzeugt, so dass Radioastronomen sie dazu benutzen, große Wasserstoffwolken im All aufzustöbern. Das heißt, sowohl wir als auch Außerirdische können davon ausgehen, dass diese Frequenz von intelligenten Lebensformen sowieso mehr oder weniger regelmäßig “abgehört” wird, wodurch die Wahrscheinlichkeit für das Auffangen einer auf dieser Frequenz gesendeten interstellaren Botschaft erhöht wird.





