von THOMAS BÜHRKE
Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun sind die Riesen im äußeren Sonnensystem. Diese Gasplaneten besitzen 99,5 Prozent der Gesamtmasse aller Planeten. Im Inneren Jupiters fänden mehr als 1300 Erdkugeln Platz. Den Blick in tiefere Regionen verhindern jedoch dichte Wolken. Fest steht, dass Druck und Temperatur in Richtung Zentrum stark ansteigen. Das überwiegend aus Wasserstoff und Helium bestehende Gas nimmt so extreme Zustände an, wie es sie auf der Erde nicht gibt. Diese exotische Materieform erschwert das Berechnen von Planetenmodellen. Doch durch neue Messdaten aus ganz unterschiedlichen Bereichen ist das jetzt möglich.
Wichtige Informationen hat die im August 2011 gestartete US-amerikanische Jupitersonde Juno geliefert. Sie schwenkte fünf Jahre später in eine stark elliptische Bahn um den Planeten ein. Im Punkt der größten Annäherung streift sie nur 4000 Kilometer entfernt über die Wolkendecke und funkt detaillierte Messdaten und Bilder zur Erde. So entdeckten NASA-Forscher Blitze und Unwetter, in denen sich vermutlich Hagelkörner bilden. Diese bestehen aus Schichten von Wasser-Ammoniak-Matsch und Eis, sinken in die Tiefe und entziehen dadurch der oberen Atmosphäre Ammoniak. „Das kann erklären, warum wir mit dem Mikrowellen-Radiometer von Juno an diesen Stellen nicht viel Ammoniak messen“, sagt Tristan Guillot von der Universität Nizza.
Bei Junos Annäherung an Jupiter wirkt die Massenverteilung im Innern des Planeten besonders stark auf die Flugbahn ein. Und aus kleinsten Abweichungen von einer glatten Kurve lässt sich das Innere des Planeten erkunden. Auf diese Weise fanden Forscher heraus, dass die farbigen Bänder in Jupiters Wolkendecke keineswegs nur dünne Wolken sind, wie es scheinen mag, sondern bis in 3000 Kilometer Tiefe reichen. Ob sich der berühmte Große Rote Fleck ebenfalls so tief in die Atmosphäre bohrt, ist noch nicht geklärt.
Bei einem Jupiter-Radius von etwa 70.000 Kilometern sind die enormen Wolken gleichwohl nur eine Randerscheinung. Was passiert in noch größerer Tiefe, und gibt es einen festen Kern?
Im Zentrum der Riesen
Im gängigen Modell für Jupiters Entstehung bildete sich zunächst ein Kern aus etwa zehn Erdmassen aus felsigem und eisigem Material, der dann Gas aus der Umgebung ansammelte. Neuere Entstehungsmodelle kommen mit einem nur zwei Erdmassen schweren Kern aus. Unter bestimmten Bedingungen könnte sich Jupiter sogar ganz ohne felsigen Zentralkörper geformt haben.
Burkhard Militzer und sein Team von der University of California in Berkeley haben jetzt aus Junos Bahndaten den inneren Aufbau des Riesenplaneten neu berechnet. Das Ergebnis: Im Zentrum gibt es einen Gesteinskern, der 7 bis 25 Mal so schwer ist wie die Erde. Dasselbe Verfahren haben die Theoretiker auf die Bahndaten der Raumsonde Cassini angewandt. Sie umkreiste von 2004 bis 2017 Saturn und wurde zum Missionsende gezielt in dessen Atmosphäre zum Absturz gebracht. Den Daten der Sonde zufolge verbirgt sich im Zentrum des Ringplaneten ein dichter Kern mit 15 bis 18 Erdmassen.





