Spektakuläre Bilder von Kanälen auf dem Mars begeisterten im vergangenen Sommer die Wissenschaftler und schienen einen Hinweis für heute versiegte Wasservorkommen zu sein. Doch neue Erkenntnisse von Planetologen der dem University of Arizona in Tucson stellen diese Theorie ernsthaft in Frage. Kohlendioxid soll eine schlüssigere Erklärung für diese beeindruckenden geologischen Formationen sein.
Das Gas bildet heute und wahrscheinlich auch bereits schon vor Millionen von Jahren den Hauptbestandteil der dünnen Marsatmosphäre. Bei tiefen Temperaturen, wie sie zeitweise auf dem Mars herrschen, gefriert das Gas. Auch unter der Oberfläche des Planeten vermuten die Forscher Kohlendioxid in flüssiger Form. Wird dieses plötzlich freigesetzt, wandelt es sich in schneeähnliches Trockeneis um.
Verbunden mit Gasen und Geröll vermag dieses Gemisch nach Aussage der Forscher Kanäle zu bilden, wie sie von der Sonde Mars Global Surveyor fotografiert wurden. “Dieser Fluss einer Suspension verhält sich wie eine Flüssigkeit”, erklärt Forscher Donald Musselwhite den Effekt.
Zudem sei es auffällig, dass die Kanäle nur in der Region des Südpols entdeckt werden konnten. Die dort herrschenden Temperaturen lassen die Kohlendioxid-These ebenfalls wahrscheinlicher klingen als die der vermuteten Wasserströme. Im Vergleich zu der Umgebung seien die Kanäle geologisch relativ jung. “Wenn diese Erklärung richtig ist, dann bilden sich Kanäle auch heute noch rund um den Südpol”, so Musslewhite.
Jan Oliver Löfken