Unter den in Bernstein konservierten Insekten sind Parasiten, Räuber und Zersetzer ? dabei auch die älteste Ameise und die älteste Baldachspinne Afrikas. Insgesamt fanden die Forscher Vertreter von 13 Insektenfamilien, darunter Hautflügler, Fransenflügler, Staubläuse, Zorapteren, Pflanzenläuse und Springschwänze sowie Reste von Motten und Käfern. In dem äthiopischen Bernstein hat Dörfelt neben Blütenpflanzen und Farnen auch parasitische Pilze gefunden, die auf Pflanzen lebten und selbst Insekten als Nahrung dienten. Einer davon hat sich als archaisch erwiesen und soll Gegenstand einer eigenen Publikation werden.
Erstmals sind in Afrika in Bernstein eingeschlossene Fossilien aus der Kreidezeit gefunden worden. Das Alter der in Äthiopien entdeckten Fossilien wird von dem internationalen Forscherteam auf 95 Millionen Jahre geschätzt. Der Bernstein stammt aus ehemaligen tropischen Wäldern, in denen Nadelbäume Harz produzierten, in das Insekten, Spinnentiere und Fadenwürmer eingeschlossen wurden, aber auch Pflanzenreste, Pilze und Bakterien. Afrika ist generell äußerst arm an fossilen Harzen.
Als “außergewöhnlich klar und farbintensiv” beschreibt Studien-Mitautor Heinrich Dörfelt von der Friedrich-Schiller-Universität Jena die zwischen fünf und 25 Zentimeter großen Bernsteinstücke. Da die Bernsteine in der Kreidezeit entstanden sind, bieten sie Einblicke ein Ökosystem, in dem rund 90 Millionen Jahre später die Wiege der Menschheit liegen würde. Zu dieser Zeit traten gerade die bedecktsamigen Pflanzen ihren Siegeszug an: Sie sind heute mit rund 250.000 bekannten Arten die größte Gruppe der Samenpflanzen.
Heinrich Dörfelt (Friedrich-Schiller-Universität Jena) et al.: PNAS, doi:10.1073/pnas.1000948107 wissenschaft.de ? Marius Penz





