Die zahllosen Eisbrocken am Rande des Sonnensystems reflektieren wahrscheinlich mehr Licht als bislang angenommen. Das bedeutet, dass ihr Durchmesser kleiner sein dürfte als gedacht, berichten Forscher um John Stansberry von der University of Arizona. An die Größe des äußersten Planeten Pluto reicht bislang keines dieser so genannten Kuiper-Gürtel-Objekte (KBO’s) heran.
Stansberry und Kollegen untersuchten etwa 30 Eisbrocken aus dem Kuiper-Gürtel ? einem Ring von Kleinplaneten jenseits des Planeten Neptun ? mit dem Spitzer-Weltraumteleskop. Mit einem besonderen Instrument des Infrarot-Teleskops gelang es ihnen, die extrem langwellige infrarote Wärmestrahlung eines Objektes mit dem Namen 2002 AW197 aufzufangen. Mithilfe dieser Daten bestimmten sie die Albedo des Eisbrockens, das ist der Anteil des Sonnenlichts, den das Objekt zurückwirft. Sie stellten fest, dass 2002 AW197 18 Prozent des einfallenden Sonnenlichtes reflektiert. Bislang waren Planetenforscher davon ausgegangen, dass KBO’s ähnlich dunkel sind wie Kometen, die nur vier Prozent des einfallenden Sonnelichtes reflektieren.
Bei einigen KBO’s, zum Beispiel bei dem 2002 entdeckten Quaoar, ließ sich der Durchmesser mit Hilfe des Weltraumteleskops Hubble direkt messen. Die meisten der Kleinplaneten sind jedoch zu dunkel und zu weit weg, um ihre Größe auf diese Weise zu bestimmen. Meist wird daher ihre Helligkeit gemessen. Wenn ein Wert für die Albedo angenommen wird, lässt sich dann der Durchmesser bestimmen. Allerdings kommt ein umso größerer Wert für den Durchmesser heraus, je geringer die Albedo angesetzt wird.
Die Forscher um Stansberry ermittelten jetzt mit Hilfe der neu gemessenen Albedo, dass 2002 AW197 einen Durchmesser von 700 Kilometern hat, etwa 200 Kilometer weniger als vorher angenommen. “Endlich bekommen wir Daten über die grundlegenden physikalischen Eigenschaften dieser Objekte”, freut sich Stansberry. “Jetzt können wir herausfinden, aus was für Stoffen sie bestehen, wie schwer sie sind, wie sie sich entwickeln und wie Pluto ins Bild passt.”
Plutos ungewöhnliche Bahn und seine relativ geringe Größe haben dazu geführt, dass einige Forscher ihn mittlerweile nicht mehr als “richtigen” Planet sehen, sondern als größtes Kuiper-Gürtel-Objekt. Mit einem Durchmesser von knapp 2300 Kilometern ist Pluto zurzeit aber noch etwa doppelt so groß wie die größten KBO’s.
Ute Kehse





