Viele Forscher rätseln, was in der Urzeit zum massenhaften Aussterben bestimmter Tiere wie etwa den Dinosauriern geführt hat. Doch die Tatsache des Aussterbens selbst wird kaum bezweifelt. Jetzt stellt ein britischer Paläontologe die These auf, dass das massenhafte Aussterben von Urzeit-Tieren nur ein hartnäckiges Gerücht sei, das lediglich auf fehlenden Spuren von bestimmten Tieren während einiger Erdzeitepochen basiere. Seine Argumentation für eine andere Sichtweise hat der Wissenschaftler in der Zeitschrift “Paleobiology” veröffentlicht.
Große Lücken in den Fossil-Vorkommen in bestimmten Erdzeitepochen werden oft als Beweis für das Massen-Aussterben einer Art angeführt, erklärt
Andrew Gale, Professor für Geologie an der
University of Greenwich. “Doch es gibt noch andere Erklärungen für diese Lücken in den Fossil-Vorkommen, die nicht auf eine Vernichtung durch große Katastrophen hindeuten. Während der Kreidezeit (vor 146 bis 65 Millionen Jahren), die von den Dinosauriern beherrscht wurde, gab es Perioden einer intensiven globalen Erwärmung, die dramatische Anstiege des Meeresspiegels mit sich brachten. Das Wasser überflutete Europa und machte aus dem Kontinent einen Archipel zahlreicher Inseln. Dies zwang Landtiere und Tiere, die ihren Lebensraum in seichten Gewässern hatten, in andere Gefilde abzuwandern.” Sobald aber der Meeresspiegel wieder sank, kehrten die Tiere zurück und hinterließen von da an wieder ihre Spuren. Die früheren Spuren sind durch Wind, Regen und Gletschererosionen verwischt worden.
“Die Unterbrechung in den Fossil-Vorkommen in dieser Zeit ist also durch Migration und durch den Verlust der Spuren dieser Vorkommen verursacht worden und nicht durch Massen-Aussterben”, sagt der Forscher. Sehr schön zu sehen sei dies etwa an den Kreidefelsen von Dover oder von Beachy Head an der Küste von Sussex. Viele der Lebewesen aus seichten Gewässern, die vor etwa 100 Millionen Jahren scheinbar ausgestorben waren, weil der Meeresspiegel angestiegen war, erschienen einige Millionen Jahre später wieder an diesen Orten.
Wenn man diese Faktoren einrechnete, sagt Gale, dann käme man statt auf eine Aussterberate von 70 Prozent, die bisher angenommen wird, auf eine von nur 17 Prozent. “Das ist ein Wert, mit dem man zu allen Zeiten rechnen muss.” Er geht daher davon aus, dass das massenhafte Aussterben bestimmter Spezies entweder nicht stattgefunden hat oder dass es von der Forschung stark übertrieben wurde.
Doris Marszk