Grönland verliert seinen Eisschild und wird auch in den inneren Inselregionen grün. Parallel steigt in rund 1000 Jahren der Meeresspiegel um sieben Meter an. Dies ist das Ergebnis einer Klimasimulation britischer Forscher, die verschiedene Szenarien für die Zunahme der Treibhausgase in der Atmosphäre und die dadurch verursachte globale Erwärmung berücksichtigt. In 34 von 35 Berechnungen, die von stark variierenden weltweiten Ausstößen an Klimagasen ausgehen, werde innerhalb der nächsten 350 Jahre der Grenzwert erreicht, der unweigerlich zum Abschmelzen des Grönlandeises führen werde. Diese Klimasimulationen präsentieren die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Nature (Vol. 428, S. 616).
“Ohne den Eisschild wird sich das Klima auf Grönland gravierend ändern”, sagt Jonathan Gregory von der
University of Reading. Zusammen mit Kollegen des
Alfred Wegener Instituts in Bremerhaven und der Freien Universität in Brüssel fand Gregory heraus, dass ein globaler Temperaturanstieg von knapp drei Grad ausreicht, um die gigantische Insel im Nordatlantik vollständig ergrünen zu lassen. Die Ursache für diese extreme Klimareaktion liegt in der großen Empfindlichkeit nördlicher Regionen auf Temperaturanstiege. Denn durch den Rückgang der Eisflächen werde zusätzlich weniger Sonnenlicht reflektiert. So könnte in machen Klimaszenarien für die kommenden Jahrhunderte die Temperatur auf Grönland im Mittel sogar um acht Grad ansteigen.
“Der Grönland-Eisschild wird sich nicht erneut bilden, auch wenn sich das globale Klima wieder auf vorindustrielle Bedingungen einpendelt”, warnt Gregory. Schneefall, Sonnenlichtreflektion und natürliche Abschmelzraten ließen eine Neubildung der Gletscher nicht zu. Bezogen auf die Konzentration des Klimagases Kohlendioxid in der Atmosphäre reichten bereits 450 Teile pro Million (ppm) aus, um eine dramatische Änderung des regionalen Klimas auf Grönland zu bewirken. Schon heute messen Wissenschaftler Werte von 370 ppm. In der vorindustriellen Zeit, als noch keine nennenswerte Mengen fossiler Brennstoffe genutzt wurden, lag die Konzentration bei 280 ppm.
Vor diesem Hintergrund gewinnen so genannte CO2-Senken, in denen nennenswerte Mengen des Treibhausgases dauerhaft gespeichert werden können, an Bedeutung. Eine kleine Hoffnung lag bisher auf der Düngung des Südpolarmeeres mit Eisensulfat, um die Algenproduktion und damit die CO2-Aufnahme zu steigern. Doch nach einer soeben beendeten Messfahrt von Klimaforschern des Alfred Wegener Instituts, bei der testweise 7000 Tonnen Eisensulfat ausgebracht wurden, könne das gesamte südliche Polarmeer auf diese Weise maximal zehn Prozent der jährlich rund sechs Milliarden Tonnen Kohlendioxid aufnehmen. Zu wenig, um die Atmosphäre klimatechnisch zu entlasten. Parallel arbeiten Wissenschaftler weltweit an Möglichkeiten, CO2 dauerhaft in leere Erdgaslagerstätten einzupressen.
Jan Oliver Löfken