von RÜDIGER VAAS
Von Fiction zu Science ist es oft nur ein kurzer Weg. Wieder einmal demonstriert hat das eine Gruppe US-amerikanischer Physiker um Luke Sellers und Alexey Bobrick. Ihr Thema: Technosignaturen mutmaßlicher Superzivilisationen im All, falls diese zwischen den Sternen reisen. Die Wissenschaftler vom Advanced Propulsion Laboratory der Firma Applied Physics in New York nennen solche hypothetischen Raumschiffe RAMAcraft (Rapid And/or Massive Accelerating Spacecraft). Das Akronym lässt sich als Anspielung auf ein 50 Kilometer großes zylindrisches Raumschiff verstehen, das im Science-Fiction-Roman „Rendezvous with Rama“ von Arthur C. Clarke (1973) plötzlich im Sonnensystem auftauchte und geheimnisvoll blieb, bis es innerhalb der Merkurbahn einen unbekannten Antrieb aktivierte und verschwand; es wurde zunächst für einen Planetoiden gehalten und nach der hinduistischen Gottheit Rama benannt.
Der Analyse von Sellers Team zufolge ist der LIGO-Detektor (Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory) schon jetzt empfindlich genug, um die Gravitationswellen eines RAMAcraft nachzuweisen, das beispielsweise auf 30 Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Hätte es die Masse des Mondes, könnten die Schwingungen der Raumzeit aus einer Entfernung von schätzungsweise 3 bis 30 Lichtjahren detektiert werden, bei einer Masse wie Jupiter sogar aus 30.000 bis 300.000 Lichtjahren. Hätten Superzivilisationen Raumschiffe von 100 Jupitermassen, also Zwergsternen, wären derartige Beschleunigungen im Abstand der Andromeda-Galaxie und darüber hinaus nachzuweisen, und bei Massen von der Größenordnung unserer Sonne sogar über Milliarden Lichtjahre hinweg.
Umgekehrt lassen sich bereits Obergrenzen angeben: In den LIGO-Betriebszeiten war kein RAMAcraft mit einer solchen Beschleunigung unterwegs, das Distanzen unter 3.000 Lichtjahren und eine Jupitermasse hatte – oder mit zehn Mondmassen im Umkreis von drei Lichtjahren. Und es gab in der ganzen Milchstraße kein beschleunigtes Objekt dieser Art mit mindestens einer Zehntel Sonnenmasse.
Eine Verwechslung mit natürlichen Phänomenen ist unwahrscheinlich. Vielleicht könnten Kollisionen Schwarzer Löcher mit äußerst exzentrischen Umlaufbahnen ähnliche Gravitationswellensignale erzeugen. Aber sie sind im All wohl äußerst selten und wären auch nur sehr kurz – nicht Tage oder vielleicht sogar Jahre wie bei RAMAcrafts denkbar. „Und wenn ein Signal entdeckt wird, kann man versuchen, anhand von dessen Wellenform auf die Eigenschaften des Transportmechanismus zu schließen“, überlegen die Physiker.
„Während Radioteleskope nur Zehntausende von Sternen in der Nähe nach außerirdischen Aktivitäten abgesucht haben, könnten Gravitationswellendetektoren Signaturen in der ganzen Milchstraße aufspüren“, meinen die Wissenschaftler. „Das macht diese Observatorien zu den allerersten RAMADAR-Geräten (RAMAcraft Detection And Ranging).“ Künftige Gravitationswellendetektoren wie DECIGO (Deci-hertz Interferometer Gravitational wave Observatory) und der Big Bang Observer, die schon in Planung sind, sollen 100-mal empfindlicher sein als LIGO und damit das Suchvolumen eines RAMADAR um ein Millionenfaches erweitern. „Dies wird es uns ermöglichen, Tausende von Galaxien auf derartige Technosignaturen hin zu untersuchen.“ Und Effekte von Objekten mit längeren Beschleunigungsphasen könnten Satelliten wie LISA (Laser Interferometer Space Antenna) oder die von Radioteleskopen betriebenen Pulsar Timing Arrays finden.





