Dass die Raumzeit keine passive Bühne ist, auf der sich alle Dramen des Universums abspielen, ohne dass sie diese Bühne beeinflussen, sondern ein aktiver Mitspieler im Schauspiel der Welt ist, gehört zu den triumphalen Einsichten von Einstein. Wie Masse und Energie einerseits, mit Raum und Zeit andererseits wechselwirken und die Schwerkraft sich als Krümmung der Raumzeit verstehen lässt, ist der Kern seiner Allgemeinen Relativitätstheorie. Auch extreme Verdichtungen in der Raumzeit – die ebenfalls erstmals vor 100 Jahren beschriebenen, aber erst in den 1960er-Jahren sogenannten Schwarzen Löcher – sind eine Konsequenz von Einsteins Feldgleichungen.
Erschütternde Botschaft
Dass massereiche Körper, die sich umkreisen und kollidieren können, die Raumzeit selbst erschüttern, hat Einstein in einer kurzen Arbeit 1916 beschrieben sowie in einer zweiten im Jahr 1918, die diverse Rechenfehler der ersten korrigierte. Diese Gravitationswellen zu messen, ist aber eine gigantische Herausforderung. Denn die Kräuselungen der Raumzeit sind winzig klein – in der Größenordnung eines Tausendstel Atom-Durchmessers. Trotzdem ist es dem LIGO-Team jetzt gelungen, diese winzigen Verwerfungen im Gefüge des Alls nachzuweisen.
Die Gerüchteküche brodelte bereits seit September 2015. Jetzt aber ist es offiziell: Auf einer Pressekonferenz am 11. Februar 2016 um 16.34 Uhr MEZ im National Press Club in Washington, DC, verkündeten France Córdova, Direktorin der National Science Foundation, sowie David Reitze und Gabriela González von der LIGO-Kollaboration den lange herbeigesehnten wissenschaftlichen Durchbruch.
Der Todestanz der Schwarzen Löcher
Am 14. September 2015 hatte LIGO (Laser Interferometer Gravitational-wave Observatory) ein Signal gemessen, das sich auf den Bildschirmen schon mit bloßem Auge erkennen ließ (wenn man das nötige Wissen hat). Zuerst registrierte es der Detektor in Livingston in den Wäldern von Louisiana, sieben Millisekunden später dann der zweite gleicher Bauart in Hanford im US-Bundesstaat Washington. Es dauerte aber Monate, bis das Signal ausgewertet und interpretiert war (statistische Signifikanz über fünf Sigma, die Konvention für eine physikalische Entdeckung!) und sich alle möglichen Störquellen ausschließen ließen. Außerdem wollten die Forscher ihre epochale Entdeckung nicht nur als Pressemitteilung verkünden, sondern gleich als einen begutachteten wissenschaftlichen Fachartikel veröffentlichen. Wie es guter wissenschaftlicher Brauch ist. Dieser Bericht ist nun zeitgleich in den renommierten Physical Review Letters erschienen. Der Titel der Arbeit: “Observation of Gravitational Waves from a Binary Black Hole Merger”






