Zum Inhalt springen
Bild der Wissenschaft
AnmeldenAbonnieren
  • Astronomie & Physik
  • Erde & Umwelt
  • Archäologie
  • Gesundheit & Medizin
  • Technik & Digitales
  • Gesellschaft & Psychologie
  • Rezensionen
  • Podcast
  • BDW Plus
Bild der Wissenschaft
  • Astronomie & Physik
  • Erde & Umwelt
  • Archäologie
  • Gesundheit & Medizin
  • Technik & Digitales
  • Gesellschaft & Psychologie
  • Kolumnen
  • Nachgefragt
  • Rezensionen
  • Podcast
  • Lexikon
Wissenschaft-Newsletter
Die wichtigsten Entdeckungen der Woche direkt in Ihr Postfach.

Leserservice

  • Probeabo
  • Einzelheftverkauf
  • BILD DER WISSENSCHAFT Marktplatz

Unsere Partner

  • Fraunhofer IPA
  • Leibniz-Institut ifl
  • wissen.de
  • ScienceBlogs
  • experimenta
  • Wissenschaftspodcasts

Info

  • AGB
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Barrierefreiheit
  • Vertrag widerrufen
  • Datenschutzeinstellungen

Kontakt zur Redaktion

BILD DER WISSENSCHAFTErnst-Mey-Str. 8
70771 Leinfelden-Echterdingen

Tel: +49 (0)711 7594-392
E-Mail: wissenschaft@konradin.de
Folgen Sie uns
Konradin Mediengruppedamals.denatur.de
© 2026 Bild der Wissenschaft
Startseite/Archäologie/Artikel
Gefiederte Rekruten
Archäologie

Gefiederte Rekruten

Auch im Zweiten Weltkrieg nutzte die Wehrmacht Tiere für militärische Zwecke. Hier ein Trainingsplatz der Heeresschule für Hunde- und Brieftaubendienst in Sperenberg bei Berlin (Foto von 1942). picture alliance / Fotoarchiv für Zeitgeschichte / Archiv

Im Krieg ist die zuverlässige und schnelle Nachrichtenübermittlung extrem wichtig. Um militärische Befehle von A nach B weiterzuleiten, griffen die Armeen im Ersten Weltkrieg auch auf Meldehunde und Brieftauben zurück.
Autor
Redaktion
15. Mai 2026
Lesezeit
5 Minuten
Rubrik
Archäologie
Im Krieg ist die zuverlässige und schnelle Nachrichtenübermittlung extrem wichtig. Um militärische Befehle von A nach B weiterzuleiten, griffen die Armeen im Ersten Weltkrieg auch auf Meldehunde und Brieftauben zurück.

Brieftauben hatten sich seit Langem als zivile „Briefträger“ bewährt. Sie überwanden schnell größere Distanzen, also lag ihr Einsatz im Krieg nahe. Hunde waren kleiner und beweglicher als menschliche Boten, weshalb auch sie speziell für militärische Zwecke trainiert wurden. Einen ersten Erfolg mit Brieftauben hatten die Franzosen anlässlich der Belagerung von Paris im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 vermelden können: Mithilfe eines Ballons waren 354 Tauben in die Lüfte transportiert und außerhalb der Reichweite feindlichen Feuers freigelassen worden. Auf diese Weise sollen 50 000 mikroverfilmte Seiten über die deutschen Linien hinweg gelangt sein.

Die Züchtung von Brieftauben entwickelte sich angesichts der Technisierung der Nachrichtenkommunikation im Laufe des 19. Jahrhunderts immer mehr zu einer reinen Freizeitbeschäftigung. Besonders beliebt waren Brieftauben in industriellen Gegenden Nordfrankreichs und in Belgien. In Deutschland gipfelte diese Popularität in der Gründung zahlreicher Vereine vor allem in den Industrieregionen an Rhein und Ruhr sowie in Sachsen.

Um das Jahr 1900 gab es in Preußen 8300 registrierte Züchter in 711 Vereinen, die sich dem „Rennpferd des kleinen Mannes“ widmeten. Kaiser Wilhelm II. übernahm persönlich die Schirmherrschaft über den „Verband Deutscher Brieftauben-Liebhaber-Vereine“.

Ende des 19. Jahrhunderts verfügte die deutsche Armee über verschiedene Trainingszentren für militärische Brieftauben im Westen des Reichs, nämlich in Köln, Straßburg, Würzburg, Metz und Mainz. Die zentrale Zuchtstation befand sich hingegen in Spandau. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts kooperierte das preußische Kriegsministerium eng mit zivilen Züchtervereinen und organisierte regelmäßige Übungsflüge.

Doch die kritischen Stimmen unter den Militärs wurden lauter. In einer Zeit der zunehmenden Technisierung der Kriegsführung zweifelten sie den strategischen Wert der Vögel an. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs galten Brieftauben vielen militärischen Autoritäten als Auslaufmodell. Daher bauten einige Armeen ihre vermeintlich überflüssigen Brieftaubenkontingente ab – so beispielsweise 1908 das Vereinigte Königreich.

Plötzlich herrscht Mangel an Tauben

Im Sommer 1914 musste man bei den Kriegsvorbereitungen einen gravierenden Mangel an ausgebildetem Personal, Brieftauben und Schlägen konstatieren. Auch im Deutschen Reich setzten die Verantwortlichen zunächst stärker auf die Technik als auf das Tier. Bei Kriegsbeginn verfügte das Heer nur über einen einzigen fahrbaren Taubenschlag.

Nach und nach wuchs die Einsicht in die Alltagsprobleme der modernen Kommunikationstechniken: etwa durchschossene Telegraphenleitungen oder im Schlachtgetümmel schwer zu identifizierende optische Signale. Auch Meldegänger – wie Adolf Hitler einer war – erwiesen sich im aufgewühlten und oft unzugänglichen Gelände als nicht immer zuverlässig. Der bis Kriegsende zunehmende Funkverkehr barg die Gefahr, dass der Feind ihn abhören und entschlüsseln konnte.

Die Rückbesinnung auf die ergänzenden Qualitäten der Brieftauben lag daher nahe: Die Vögel wurden speziell auf Fluggeschwindigkeit, Effizienz und robuste Konstitution gezüchtet. Bei guter Pflege waren die Tauben in der Regel recht widerstandsfähig, was sie für den Transport per Auto, Fahrrad, Flugzeug, Ballon oder Pferd prädestinierte.

Waren die Vögel erst einmal auf einen stationären oder mobilen Taubenschlag trainiert, dann überzeugten sie regelmäßig mit zuverlässig hohen Rückkehrraten: In der Schlacht um Verdun und an der Somme bildeten Tauben oft die einzige zuverlässige Verbindung. Die französische 6. Armee verzeichnete an der Somme bei 5000 Tauben lediglich eine Ausfallquote von zwei Prozent.

In der Phase des Bewegungskriegs hatte man noch wenig Verwendung für die Tiere, die auf feste Bezugspunkte für die Rückkehr angewiesen waren. Als aber im Herbst 1914 an der Westfront der Stellungskrieg begann und die ersten Schützengräben ausgehoben wurden, schlug auch die Stunde des gefiederten Militärpersonals. Bis zum Jahr 1917 hatte sich dessen Zahl auf 44 000 Tauben erhöht, wovon über 70 Prozent aus privaten Schlägen stammten. Die zivilen Züchter betrachteten es im Deutschen Reich und auch in Frankreich als ihre Pflicht, das Militär in Form dieser inneren Mobilisierung zu unterstützen. Zivile Taubenzüchtervereine spendeten während der gesamten Kriegsdauer rund 200 000 Tiere für militärische Zwecke, von denen jedoch nicht alle die Musterung erfolgreich durchliefen und so manches untaugliche Tier im Kochtopf „gelandet“ sein dürfte.

Neben Patriotismus dürfte eine andere Regelung für die Spendenfreudigkeit verantwortlich gewesen sein: Für jede abgelieferte Taube erhielt der Züchter sechs Kilogramm Futter – in Zeiten des Versorgungsmangels ein nicht zu unterschätzender Anreiz.

Insgesamt konnte die deutsche Armeeführung zwischen 1914 und 1918 auf mehr als 120 000 Militärtauben zurückgreifen. Diese wurden in 500 verschiedenen, teilweise mobilen Schlägen in 15 bis 20 Kilometern Entfernung hinter der Front gehalten, um sie auf diesen Ort zu trainieren. In Käfigen wurden sie dann zur Front transportiert. Von dort flogen sie bei Bedarf mit einer Nachricht zurück zum Schlag. Insgesamt dürfte auf beiden Seiten der Westfront eine halbe Million Brieftauben im Einsatz gewesen sein.

Tiere geben den traumatisierten Soldaten emotionalen Halt

Mitunter entwickelten die Soldaten enge emotionale Beziehungen zu den Tieren. Denn die Art der industriellen Kriegsführung unterschied sich von ihren anfänglichen Erwartungen eines vermeintlich ehrenhaften, ritterlichen Kampfs. Als Kontrast zum brutalen Frontalltag in den Gräben stellte die Pflege von Tieren wie Pferden, Meldehunden oder Brieftauben einen Rückzugsraum dar. Die Soldaten betrachteten die Tiere als Kameraden. Indem sie einigen Exemplaren der ursprünglich lediglich durchnummerierten Armeetauben Namen gaben, kompensierten sie die vermisste persönliche Ebene im anonymen Massenkrieg.

Besonders bei den Westalliierten wurden Tauben als Kriegshelden gefeiert, mit Orden ausgezeichnet und nach ihrem Tod oft ausgestopft in Museen ausgestellt. „Cher Ami“ war ein für die US-Armee eingesetzter Täuberich, der ein von deutschen Truppen eingekesseltes Bataillon der 77. Infanterie-Division rettete, das unter friendly fire der eigenen Artillerie geraten war. Trotz massiven deutschen Dauerbeschusses stieg die Taube auf. Dabei wurde sie schwer an der Brust getroffen, und das rechte Bein hing nur noch an einer Sehne am Körper. Unter schweren Qualen konnte das Tier die lebenswichtige Nachricht zur Unterstützung der eingekesselten amerikanischen Truppen an ihren Bestimmungsort bringen.

Ein weiteres Beispiel ist „President Wilson“, der im Sektor Saint-Mihiel sowohl von Panzern als auch von Flugzeugen aus eingesetzt wurde und Nachrichten übermittelte, während alle anderen Kommunikationsmittel ausfielen.

Ganz vorbei war die Zeit des Brieftaubeneinsatzes auch in späteren Kriegen nicht. Zwischen 1939 und 1945 nutzten sowohl die Wehrmacht als auch die Alliierten noch Brieftauben in geringer Zahl, vorwiegend zu Spionagezwecken oder für Notfälle. Denn anders als im Ersten Weltkrieg war die Technik weiter fortgeschritten, und der stärker dynamische Frontverlauf ließ die Einsatzmöglichkeiten schwinden.

Doch das Thema der Verwendung von Tauben für zivile und militärische Zwecke ist kein historisches: Das zeigen die Versuche eines russischen Unternehmens, Tauben mit Gehirnimplantaten auszustatten. Die Erwartung: Die Vögel lassen sich so gezielt steuern wie eine Drohne – allerdings mit deutlich größeren Reichweiten.

Autor: Prof. Dr. Rainer Pöppinghege

lehrt Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Paderborn.

Literatur

Rainer Pöppinghege, Tiere im Ersten Weltkrieg. Eine Kulturgeschichte. Berlin 2014.
Rolf Schäfer/Wolfgang Weimer, Schlachthof Schlachtfeld. Tiere im Menschenkrieg. Erlangen 2010.

Mehr aus Archäologie

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Archäologie.

Alle Archäologie-Artikel
Komplexe hydraulische Systeme versorgten Saladins Zitadelle
Archäologie

Komplexe hydraulische Systeme versorgten Saladins Zitadelle

11. Juni 2026

Die im Mittelalter von Sultan Saladin errichtete Zitadelle ist noch heute eine der herausragenden Sehenswürdigkeiten von Kairo. Jetzt haben…

DAMALS-Podcast, Folge 164: Warum die erste Fußball-WM in Uruguay war
Archäologie

DAMALS-Podcast, Folge 164: Warum die erste Fußball-WM in Uruguay war

11. Juni 2026

Die erste Fußballweltmeisterschaft fand 1930 in Uruguay statt. Aber warum eigentlich gerade dort? Bis dahin hatten die großen europäischen…

Rätsel um kopflose Skelette geht weiter
Archäologie

Rätsel um kopflose Skelette geht weiter

9. Juni 2026

Kopflose Skelette aus einem jungsteinzeitlichen Siedlungsgraben in der Slowakei geben Archäologen weiterhin Rätsel auf. Denn warum Menschen…

Mammutfund erweist sich als steinzeitliches Cold Case
Archäologie

Mammutfund erweist sich als steinzeitliches Cold Case

8. Juni 2026

Cold Case: Ein bei Regensburg entdecktes Mammutskelett hat sich als wichtiges Zeugnis der menschlichen Frühgeschichte entpuppt. Denn…

← Zurück zu ArchäologieZur Startseite