Dem Mars steht einiges bevor. Über Weihnachten und Neujahr erwartet den Planeten ein Ansturm neugieriger Besucher. Innerhalb weniger Wochen kommen vier Raumsonden bei ihm an. Die japanische Sonde Nozomi machte sich bereits im Juli 1998 auf ihren langen Weg. Sie durchquert seitdem auf einer weiten Bahn um die Sonne herum das Planetensystem und wird den Mars Anfang Januar 2004 erreichen. Sie soll den Planeten umkreisen und seine Atmosphäre erforschen. Etwa zur selben Zeit wird die erste von zwei amerikanischen Mars-Sonden ihr Ziel erreichen – und landen. Als Termin für die Landung von Mars Exploration Rover-1 peilt die NASA den 4. Januar an. Ihre Schwestersonde soll am 25. Januar auf dem Planeten aufsetzen. Die Raumkapseln werden nach ihren Starts, die für den 30. Mai und 25. Juni geplant sind, direkt zum Mars fliegen. Sie bringen je ein vierrädriges Vehikel mit, das sich – wie der kleine rollende Roboter Sojourner während der Mars-Pathfinder-Mission 1997 – durch die Mars-Landschaft bewegen soll. Anders als Sojourner, der bei seinen Ausflügen nur ein sehr kleines Terrain um die Landestelle herum durchstreifte, können die neuen Rover täglich bis zu 100 Meter zurücklegen. Ziele sind zwei riesige Krater, die vermutlich einst mit Wasser gefüllt waren: Gusev, 15 Grad südlich des Mars-Äquators, der wohl einen See enthielt, denn ein ausgetrocknetes Flussbett mündet in ihn. Und Meridiani Planum, 2 Grad südlich des Äquators auf der anderen Seite des Planeten, wo das Mineral Hämatit vorkommt, das sich gewöhnlich in feuchter Umgebung bildet.
Den Besucherreigen eröffnen wird eine europäische Sonde – die erste überhaupt, die die Europäer zum Mars schicken. Für den Start von Mars Express hat die ESA ein elf Tage langes Zeitfenster ausgemacht, das am 1. Juni beginnt. Dann soll eine russische Sojus-Fregat-Rakete die Kapsel von Baikonur in Kasachstan auf ihren rund 400 Millionen Kilometer langen Weg zum Mars bringen.
Kurz vor Weihnachten wird sich eine Landekapsel von der Sonde trennen und – während die Muttersonde in einen Orbit um den Mars einschwenkt – auf die Oberfläche des Planeten zurasen. Die Landekapsel Beagle-2 – benannt nach dem Schiff, mit dem Charles Darwin 1831 zur Erkundung unbekannter Regionen der Erde in See stach – soll am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Ödnis von Isidis Planita aufsetzen. Die tief gelegene, flache und geologisch junge Region, rund zehn Grad nördlich des Äquators, könnte einst von Wasser überflutet gewesen sein.
Daher, glauben die Forscher, hat Beagle-2 dort gute Chancen, auf Wasser oder gar Spuren von Leben zu stoßen. Um diese Spuren aufzustöbern, bringt der Lander eine ganze Reihe von Messinstrumenten mit. Sie „schnüffeln” beispielsweise nach Methan, das nach Ansicht der Wissenschaftler nur von lebenden Organismen erzeugt worden sein könnte. Zudem nehmen die Instrumente den Boden rund um die Landestelle unter die Lupe. Ziel der Suche sind kalkhaltige Mineralien, die vermutlich durch die Einwirkung von Wasser entstanden wären. Mit einem Greifarm lassen sich Bodenproben in bis zu 80 Zentimeter Entfernung von der Kapsel untersuchen. Damit den Messgeräten auch Proben aus tieferen Schichten des Mars-Bodens nicht entgehen, ist Beagle-2 mit einem Bohrer ausgestattet, der sich wie ein Maulwurf anderthalb Meter tief in den Untergrund gräbt.
Während Beagle-2 die Oberfläche des Mars untersucht, nimmt seine Muttersonde den Planeten aus 250 bis 11500 Kilometer Höhe ins Visier. Ziel aller Messungen ist es, dem Wasser auf dem Mars auf die Fährte zu kommen. Um dem Glück dabei etwas auf die Sprünge zu helfen, schickt die ESA einen außergewöhnlichen Talisman mit auf die Reise: An Bord von Mars Express sind ein paar Tropfen roter Farbe, mit der sonst die Rennwagen von Ferrari gestrichen werden.
Ralf Butscher





