Die Entstehung von Sternen in Kugelsternhaufen im Weltraum ist wohl viel komplizierter als bisher angenommen. Neue Untersuchungen mithilfe des Weltraumteleskops Hubble haben ergeben, dass Sterne dort mindestens in zwei zeitlich voneinander getrennten Schüben entstehen. Wenn die Sterne des ersten Schubs nach der Verbrennung ihres Treibstoffs zu Schwarzen Löchern oder Neutronensternen zusammenfallen, so leitet der dabei zurückbleibende Schutt die Bildung neuer Sterne ein.
Astronomen hatten bisher geglaubt, dass die Abertausenden von Sternen in Kugelhaufen im Weltall, so genannten globularen Clustern, mehr oder weniger alle zur gleichen Zeit entstanden sind. Kugelhaufen wurden daher als eines der am besten verstandenen Systeme im All betrachtet.
Giampaolo Piotto und seine Forscherkollegen der Universität von Padua stellten nun auf einem Forum der International Astronomical Union in Prag Ergebnisse einer neuen Studie des Kugelhaufens NGC 2808 vor. Untersuchungen einer Vielzahl von dessen Sternen mithilfe des Weltraumteleskops ergaben, dass diese in mindestens zwei verschiedene Klassen fallen, die durch unterschiedliche Geburtszeiten in der Geschichte des Kugelhaufens gekennzeichnet sind.
Bisher hatten Wissenschaftler vermutet, dass die Aufteilung von Wasserstoff verbrennender Sterne in zwei Klassen nur eine in wenigen Kugelhaufen vorkommende Anomalie darstellt. Dem ist allerdings nicht so ? die Ausnahme stellt vielmehr die Regel dar, so Piotto.
Ihm zu Folge entstehen die Sterne des zweiten aus dem Schutt der älteren Sterne des ersten Schubs der Sternbildung. Die Forscher untermauerten diese These durch umfangreiche Computersimulationen ? wenn demnach die ältere Sternengeneration in Schwarze Löcher oder Neutronensterne zusammenfällt, so bilden sich aus dem zurückgebliebenen Schutt neue Sterne.
Die Forscher konnten die beiden verschiedenen Sternenklassen anhand deren unterschiedlicher Farben identifizieren. Piotto glaubt, dass diese Entdeckung auch Auswirkungen auf etablierte Theorien der Entwicklung ganzer Galaxien haben wird.
Bericht auf der Tagung der International Astronomical Union Stefan Maier





