Bislang war die Zentralregion unserer Milchstraße im Bereich der niederenergetischen Gammastrahlung nur als verschwommenes Band zu erkennen. Nun ist es dem europäisch-amerikanischen Gammastrahlen-Observatorium Integral gelungen, dieses diffuse Leuchten in einzelne Objekte aufzulösen. Dabei stellte sich heraus, dass die Strahlung größtenteils nicht – wie bislang vermutet – aus dem interstellaren Medium stammt, wo hochenergetische Partikel immer wieder mit Gas-Atomen und Photonen wechselwirken. Bei diesem Vorgang entsteht zwar ebenfalls Gammastrahlung, die jedoch viel schwächer ist als die gemessene.
Der am 17. Oktober 2002 mit einer russischen Proton-Rakete auf eine stark elliptische Erdumlaufbahn gebrachte Satellit Integral fand 91 Gammastrahlen-Quellen in der Zentralregion unserer Milchstraße. Die Hälfte davon gehört zu keiner bislang bekannten Klasse von Gammastrahlern. Teilweise handelt es sich wohl um Sternruinen – Neutronensterne oder Schwarze Löcher –, die in eine dichte Hülle aus kaltem Gas und Staub eingebettet sind. Werden sie in geringem Abstand von einem zweiten Stern umkreist und entziehen ihm Materie, so entsteht unter diesen turbulenten Bedingungen Gammastrahlung. „Wir müssen in Zukunft das ganze Band der Milchstraße durchmustern”, sagt Christoph Winkler, der wissenschaftliche Leiter von Integral bei der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. „Das ist zwar mühevoll, doch am Ende werden wir über ein Inventar der energiereichsten Himmelsobjekte in der Milchstraße verfügen.”





