Astronomen haben einen fünften Planeten entdeckt, der den 41 Lichtjahre von der Erde entfernten Stern 55 Cancri umkreist. Damit besitzt 55 Cancri abgesehen von unserer eigenen Sonne das Planetensystem mit den meisten bisher bekannten Planeten überhaupt. Der neu entdeckte Planet befindet sich am Rand der sogenannten bewohnbaren Zone des Planetensystems, dem Bereich also, in dem Wasser in flüssiger Form vorkommen könnte. Er selbst ist zwar ein Gasriese mit einer Masse, die zwischen der des Saturns und der des Neptuns liegt, und beherbergt daher wohl kein Wasser. Die Wissenschaftler halten es jedoch für wahrscheinlich, dass er bisher unbekannte Monde oder auch noch nicht entdeckte felsige Nachbarplaneten besitzt, auf denen es tatsächlich flüssiges Wasser geben könnte.
Fast zwanzig Jahre lang beobachten die Astronomen um Debra Fischer von der San Francisco State University 55 Cancri schon. Dabei hatten sie bereits vier Planeten anhand ihres Einflusses auf die Bewegungen des Sterns entdeckt ? drei innere und einen äußeren. Den ersten, ein
jupitergroßes Exemplar in unmittelbarer Nähe des Sterns, das ihn alle 14,6 Tage einmal umkreist, identifizierten sie 1996. Im Jahr 2002 kamen zwei weitere Planeten hinzu: einer, der etwa halb so groß ist wie Saturn und für eine Umrundung 44 Tage braucht, und ein Gasriese, viermal so groß wie Jupiter, der den Stern in einem weiten Abstand umkreist und für jede Umrundung etwa 14 Jahre benötigt. 2004 entdeckten sie einen weiteren Planeten etwa von der Größe des Neptuns, der 55 Cancri auf einem noch engeren Orbit umkreist als sein zuerst entdeckter Nachbar.
Der jetzt identifizierte fünfte Planet umrundet seinen Mutterstern alle 260 Tage. Seine Bahn liegt mit einem Abstand von 0,785 Astronomischen Einheiten etwas weiter außen als die der anderen inneren Planeten, jedoch viel näher am Stern als die des äußeren, dessen Abstand etwa sechs Astronomische Einheiten beträgt. In der großen Lücke zwischen diesen beiden Planeten vermuten die Wissenschaftler noch weitere, bisher unentdeckte Planeten oder Monde ? allerdings nur solche, die kleiner sind als Neptun. Größere Objekte würden die Bahnen der anderen Planeten beeinflussen, was zumindest nach der aktuellen Datenlage nicht der Fall ist.
Aufgrund der riesigen Datenmenge, die die Messungen bisher ergeben haben, sei es jedoch schwierig, weitere Planeten zu identifizieren, erklärt Studienleiterin Debra Fischer von der San Francisco State University. “Wir ziehen einen Faden nach dem anderen aus dem Gewirr, um die einzelnen Umlaufbahnen auseinanderzudividieren, und das hat sehr viel mehr Zeit beansprucht, als wir dachten”. Obwohl bisher etwa 250 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt wurden, ist nur ein weiteres Planetensystem mit vier Planeten bekannt: Es gehört zu dem Stern µ Arae im Sternbild Altar.
Mitteilung der Universität von Kalifornien, Berkeley ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel