Wenn sich das Erdklima erwärmt, kann es in Europa ungemütlich kalt werden: Als am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren die Gletscher schmolzen, stoppte unter dem Zufluss des vielen Wassers der Golfstrom. Das ergab eine Computersimulation der NASA. Der Golfstrom transportiert warmes Oberflächenwasser vom Äquator an England vorbei bis nach Norwegen und sorgt dadurch für ein mildes Klima in Europa.
Auf dem Weg in den Norden verdunstet ein Teil des Wassers. Der Golfstrom wird dadurch kühler, salziger und schwerer. Vor Norwegen sinkt das schwere Wasser schließlich in die Tiefe und fließt dort wieder in den Süden. Mischt sich jedoch viel leichtes Schmelzwasser in Wärmeperioden in den Golfstrom, sinkt er vor Norwegen nicht mehr in die Tiefe und kommt schließlich zum Erliegen, schreiben die Forscher im “Journal of Geophysical Research – Atmospheres”.
Gaben die Forscher um David Rind vom Goddard-Institut der NASA realistische Schätzungen zum Frischwasser-Eintrag aus schmelzenden Gletschern am Ende der letzten Eiszeit ein, kam in der Simulation der Golfstrom nach etwa 300 Jahren nahezu zum Erliegen. Nahmen die Forscher zusätzlich an, dass während der Eiszeit der Golfstrom etwas schwächer war, stoppte er bereits nach 150 bis 200 Jahren.
Die Computersimulation der Forscher ergab auch, dass ähnliche Prozesse in Zukunft wiederkehren könnten, etwa durch zusätzlichen Regen und Schnee nach der Klimaerwärmung. “Allerdings müssen wir noch eine Menge lernen, bevor wir sagen können, was die zurückliegenden Veränderungen über die Zukunft sagen”, erklärt James Yoder, Direktor der National Science Foundation, die die Forschungen finanziert hat.
Andreas Wawrzinek