Bis heute scheint es flüssiges Wasser auf dem Mars zu geben. Das schließen amerikanische Wissenschaftler aus Fotos der NASA-Sonde Mars Global Surveyor (MGS). Schon 2001 hatte MGS so genannte Gullies an Krater- und Schluchthängen entdeckt, vor allem in höheren Breiten. Diese teilweise verzweigten Abflussrinnen wurden von vielen Planetenforschern als Indizien für Wasser interpretiert – doch es gibt auch andere Deutungen. Inzwischen haben MGS und andere Sonden nicht nur weit über 10 000 solcher Gullies fotografiert, sondern MGS stellte jetzt auch fest, dass sich einige davon in den letzten Jahren verändert haben. In ein paar Gullies fotografierte MGS helle Ablagerungen. „ Ihre Form lässt vermuten, dass das Material von Wasser transportiert wurde”, sagt Michael Malin, der Projektleiter des MGS-Kamerateams. „Sie haben fingerförmige Verzweigungen, die wohl durch das Umfließen von Hindernissen entstanden sind.” Das spricht gegen andere Erklärungen, etwa Staublawinen. Da es in der dünnen, kalten Mars-Atmosphäre kein flüssiges Wasser an der Oberfläche geben kann, muss das Wasser aus dem Boden gequollen sein.
Auch wenn die Auswertung aller MGS-Daten die Mars-Forscher noch jahrelang beschäftigen wird, ist die Ära von MGS wohl vorbei. Denn seit dem 2. November gibt es keine Funkverbindung mit der Sonde mehr. Möglicherweise lässt sich ein Solar-Segel nicht mehr drehen und die Stromversorgung ist unterbrochen. Mehrere Kommunikationsversuche scheiterten.
MGS ist die produktivste aller bisherigen Mars-Sonden. Gestartet am 7. November 1996 und seit dem 11. September 1997 im Orbit, hat sie über 240 000 Fotos zur Erde gefunkt. Mit ihr wurde erstmals das „Aerobraking” ausprobiert: das vorsichtige Abbremsen durch periodisches Eintauchen in die Mars-Atmosphäre, um aus der anfangs stark elliptischen eine fast kreisförmige Umlaufbahn zu machen.
Zu den großen Erfolgen von MGS neben der Entdeckung der Gullies gehört:
• Nachweis von Hämatit auf der Mars-Oberfläche; das Mineral bildet sich unter feuchten Bedingungen.
• Globale topographische Präzisionskarte; Entdeckung vieler stark erodierter oder unterirdischer Krater; Kartierung von Canyons in den polaren Eiskarten.
• Entdeckung örtlich begrenzter Magnetfelder – wohl die Relikte eines ehemaligen globalen Magnetfelds.
• Hinweise auf alte Flussdeltas und längere Zeit bestehende Wasserläufe.
• Beobachtung der marsianischen Jahreszeiten und der schrumpfenden Kohlendioxid-Eiskappe am Südpol.
Auch wenn die MGS-Ära zu Ende ist – die Mars-Forschung geht weiter. Die Kamera des Mars Reconnaissance Orbiter, der seine endgültige Umlaufbahn erreicht hat, ist sogar noch leistungsfähiger als die von MGS.





