Sind wir allein im Universum? Oder gibt es auch auf anderen Planeten Leben und vielleicht sogar außerirdische Zivilisationen? Noch können wir darüber nur spekulieren, denn weder Lebensspuren noch Signale von Bewohnern fremder Welten wurden bislang entdeckt. Immerhin haben Astronomen schon mehrere tausend extrasolare Planeten entdeckt und viele von ihnen kreisen in der habitablen Zone um ihren Stern. Aufgespürt werden die meisten dieser Planeten mit der Transitmethode: Teleskope detektieren das leichte Abdimmen des Sterns, das durch einen vor ihm vorüberziehenden Planeten verursacht wird. Für nahe Planeten können Wissenschaftler zudem mithilfe hochsensibler Spektroskope ermitteln, welche Zusammensetzung ihre Atmosphäre hat. Sie hinterlässt Linien im Lichtspektrum des Sterns, die für die Elemente und Moleküle spezifisch sind. Astronomen hoffen, mithilfe dieser Technik bald auch Spuren von Leben auf solchen Planeten zu finden.
Wenn die Erde vor der Sonne vorbeizieht
Umgekehrt könnten auch außerirdische Astronomen mit diesen Methoden nach bewohnten Planeten in ihrem Umfeld suchen. “Aus der Sicht eines Exoplaneten sind wir die Aliens”, erklärt Lisa Kaltenegger von der Cornell University in Ithaca. Gemeinsam mit der Astrophysikerin Jackie Faherty vom American Museum of Natural History hat sie untersucht, von wo aus unsere Erde mit der Transitmethode zu finden wäre. “Wir wollten wissen, welche Sterne den richtigen Aussichtsplatz haben, um die Erde beim Verdecken der Sonne zu beobachten”, erklärt Kaltenegger. Anders als frühere Studien dieser Art berücksichtigen die beiden Forscherinnen dabei auch, wann und wie lange dieser “Platz in der ersten Reihe” für andere Sterne und Planetensysteme erhalten bleiben. “Weil sich die Sterne in unserem dynamischen Kosmos bewegen, können sie in die Sichtlinie wandern, sie aber auch wieder verlassen”, so die Astronomin.
Für ihre Studie werteten die Forscherinnen den jüngsten Katalog des europäischen Gaia-Satelliten aus, der die Positionen und Bewegungen von 1,8 Milliarden Himmelskörpern in der Milchstraße kartiert hat. “Gaia liefert uns eine präzise Karte der Milchstraße und erlaubt es uns, in der Zeit vor und zurück zu gehen, um zu sehen, wo Sterne waren und wohin sie gehen”, erklärt Faherty. Die Auswertung ergab, dass insgesamt 2034 Sterne in der Zeit von vor 5000 Jahren bis in 5000 Jahren die Erdtransitzone passieren – die Zone, von der aus der Transit der Erde vor der Sonne zu sehen ist. Von diesen sind 313 Objekte schon wieder aus der Zone herausgewandert, 319 werden in der Zukunft in sie eintreten und 1402 Sterne haben momentan eine freie Sicht auf den Erdtransit. Unter diesen Himmelskörpern mit aktuell freier Sicht sind 128 sonnenähnliche Sterne und 1050 Sterne der Spektralklasse M – Rote Zwerge und Rote Riesen, wie die Astronominnen ermittelten.





