Astronomie & Physik

Forscher wollen Erdbeben durch Untersuchung der Ionosphäre vorhersagen

Elektrische Ladungen, die von unter Druck stehendem Gestein freigesetzt werden, rufen auf und über der Erdoberfläche eine Vielzahl von Phänomenen hervor, die möglicherweise in Zukunft für eine effektive Erdbebenvorhersage genutzt werden können. Das berichtete der Nasa-Wissenschaftler Friedemann Freund auf dem Herbsttreffen der American Geophysical Union in San Francisco.
Elektrische Ladungen, die von unter Druck stehendem Gestein freigesetzt werden, rufen auf und über der Erdoberfläche eine Vielzahl von Phänomenen hervor, die möglicherweise in Zukunft für eine effektive Erdbebenvorhersage genutzt werden können. Das berichtete der Nasa-Wissenschaftler Friedemann Freund auf dem Herbsttreffen der American Geophysical Union in San Francisco.

Viele dieser Phänomene sind den Menschen in Erdbebengebieten seit langem bekannt. Dazu gehören die ‘Erdbebenlichter’ an Berggipfeln und das seltsame Verhalten von Tieren, aber auch Störungen im Radioempfang, sagt Freund. Er hat untersucht, wie Gestein auf Druck reagiert. “Wenn der Druck groß genug ist, treten elektrische Ladungen auf, die das Gestein in einen Halbleiter verwandeln”, erklärt Freund. Er glaubt, dass diese Ladungen die Ursache für die Phänomene sind, die vor Erdbeben auftauchen.

“Wenn die Ladungen die Erdoberfläche erreichen, wird diese in einem Gebiet von einigen hundert Kilometern Durchmesser positiv geladen, was wiederum die Ionosphäre beeinflusst.” Die Ionosphäre beginnt in einer Höhe von etwa 90 Kilometern über der Erdoberfläche. Sie besteht aus dünner Luft, die ein Plasma mit freien Elektronen und positiven Ionen bildet. Die unterste, positiv geladene Schicht der Ionosphäre reflektiert Radiowellen.

Bei einer positiv geladenen Erdoberfläche gelangen vermehrt negativ geladene, freie Elektronen in die unterste Ionosphärenschicht, wodurch der Radioempfang vor allem im Kurzwellenbereich gestört wird. Dieses Phänomen trat in den sechziger Jahren einige Tage vor den beiden großen Erdbeben in Chile und Alaska auf.

Freund glaubt, dass es noch zu früh ist, um eine baldige Verbesserung der Erdbebenvorhersage zu erwarten. “Aber eines Tages werden wir gelernt haben, die Signale, die uns die Erde vor Erdbeben schickt, zu verstehen.”

Axel Tillemans

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