Die Venus war die meiste Zeit ihrer Existenz ein bewohnbarer Schwesterplanet der Erde mit idealen Umweltbedingungen für Leben. Das behauptet der amerikanische Forscher David Grinspoon aus dem texanischen Southwest Research Institute. Über die Spekulationen Grinspoons berichtet die Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins “New Scientist”.
Vor fünfzehn Jahren veröffentlichte der US-Wissenschaftler Jeffrey Kargel Berechnungen, nach denen die Venus in den ersten 600 Millionen Jahren ihrer Existenz Ozeane besessen haben muss. Die Temperaturen dürften damals dem heutigen Klima auf der Erde weitgehend entsprochen haben. Dann setzte jedoch ein Treibhauseffekt ein und ließ die Ozeane verdampfen. Heute ist die Oberfläche des Planeten so heiß, dass darauf Blei schmelzen würde. Die Atmosphäre ist mit dicken säurehaltigen Wolken verhüllt, die jedes Sonnenlicht schlucken.
Kargels Kollege Grinspoon hält es aber für möglich, dass der Treibhauseffekt erst sehr viel später begonnen hat. Zunächst dürften noch dichte Wasserwolken das Sonnenlicht reflektiert und die Temperaturen in angenehmen Bereichen gehalten haben. In den Schätzungen Kargels fehlen noch die Wolken, welche die Zeit der milden Temperaturen auf der Venus auf vier Milliarden Jahre ausgedehnt haben könnten, sagt Grinspoon.
Der Treibhauseffekt könnte daher mit einem Ereignis vor 700 Millionen Jahren in der Geschichte der Venus zusammenfallen. Damals ist die gesamte Oberfläche des Planeten aufgeschmolzen und hat sich umgeformt. Der Treibhauseffekt könnte laut Grinspoon die Ursache dieser Vorgänge sein: Nachdem die Ozeane verschwunden waren, kamen auch die Kontinentalbewegungen des Planeten zum Erliegen. Die Wärme im Inneren der Venus stieg nun großflächig nach oben und löste die Gesteine der Oberfläche auf.
ddp/bdw ? Andreas Wawrzinek





