Rätselhafte Messungen von Teilchendetektoren in Bolivien und Tadschikistan sind am besten durch die Explosion winziger Schwarzer Löcher in der Erdatmosphäre zu erklären. Das berichtet das Wissenschaftsjournal New Scientist in seiner jüngsten Ausgabe (6. Dezember 2003, S. 15).
Nach der Vorstellung von Theodore Tomaras von der Universität von Kreta in Heraklion und zwei russischen Kollegen entstehen die Schwarzen Löcher, wenn energiereiche kosmische Teilchen mit Molekülen der Erdatmosphäre zusammenstoßen. Glücklicherweise hätten solche Schwarzen Löcher, die der String-Theorie zufolge durchaus existieren könnten, nur eine Masse von zehn Mikrogramm und wären instabil. Innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde würden sie explodieren. Dabei müsste ein Teilchenschauer entstehen.
Tomaras und seine Kollegen vermuten, dass etwa 40 Ereignisse, die ein Detektor in den Anden und ein anderer in den Bergen von Tadschikistan seit 1972 aufzeichneten, durch die Explosion Schwarzer Mini-Löcher erklärt werden können. Bei diesen so genannten “Centauro-Ereignissen” traten ungewöhnlich viel mehr geladene, aus Quarks bestehende Teilchen auf, als gewöhnlich bei Kollisionen kosmischer Teilchen mit Luftmolekülen entstehen. Außerdem tauchten wesentlich mehr Teilchen im unteren als im oberen Teil des Teilchendetektors auf.
Es gibt auch andere mögliche Erklärungen für die Centaur-Ereignisse, die allerdings nicht weniger exotisch klingen: So könnten die Teilchenschauer entstehen, wenn zusammengeballte Strange-Quarks den Detektor treffen, oder weil die starke Kraft zwischen Teilchen sich unerwartet verhält, wenn die Teilchen extrem hohe Energien haben.
“Wir könnten uns täuschen, aber uns erscheint die Theorie mit den Schwarzen Löchern noch am natürlichsten?, sagt Tomaras. I
n wenigen Jahren könnte das Rätsel gelöst werden: Wenn am Teilchenlabor Cern in Genf im Jahr 2007 ein gigantischer Beschleuniger, der “Large Hadron Collider”, in Betrieb genommen wird, könnten jeden Tag tausende Schwarzer Mini-Löcher erzeugt werden.
Ute Kehse





