Die elektrische Ladung des Protons ist möglicherweise in einem eiförmigen statt in einem kugelförmigen Gebilde verteilt. Das vermuten amerikanische Forscher. Diese der herkömmlichen Lehrmeinung widersprechende Theorie ist das Ergebnis einer Studie der Wechselwirkungen eines hochenergetischen Elektronenstrahls mit Wasserstoffatomen. Die unter der Leitung von Charles Perdrisat vom Jefferson Laboratorium im US-Bundesstaat Virginia durchgeführte Untersuchung hat in den letzten Wochen intensive Diskussionen in der Fachwelt ausgelöst.
Perdrisat führte seine Untersuchungen zusammen mit etwa achtzig Forscherkollegen an einem Elektronenbeschleuniger des Jefferson Laboratoriums durch. Dieser Beschleuniger zeichnet sich dadurch aus, dass er Elektronen nicht nur auf sehr hohe Energien beschleunigen, sondern auch deren inneren Drehimpuls ? den so genannten Spin ? genau ausrichten kann. Die Forscher schossen in ihrem Experiment einen derartigen Elektronenstrahl in einen Behälter, der mit extrem kalten Wasserstoff gefüllt war.
Wenn die Elektronen mit den Wasserstoffatomen zusammenstießen, wurden sie durch Wechselwirkungen mit dessen Elektronen und Protonen aus ihrer Richtung abgelenkt. Diese Richtungsänderung ließ sich mittels Detektoren, die auch die Energie der Elektronen bestimmen konnten, mit großer Genauigkeit festhalten.
Der Forschergruppe zu Folge deuten die Ergebnisse ihres Experiments darauf hin, dass die positive elektrische Ladung des Protons nicht eine Kugelgestalt, sondern vielmehr die eines Eis annimmt. Einige Forscherkollegen sind allerdings nicht hundertprozentig von dieser Interpretation überzeugt. Sie vermuten vielmehr, dass die Ergebnisse des Experiments durch relativistische Wechselwirkungen zwischen den hochenergetischen Elektronen mit den Protonen erklärt werden können.
Stefan Maier