Eine stärkere Neigung der Erdachse würde das Leben auf der Erde zwar ungemütlich, aber nicht unmöglich machen. Das schließen amerikanische Wissenschaftler aus den Ergebnissen verschiedener Simulationen, in denen sie Klimaveränderungen bei unterschiedlichen Neigungswinkeln der Planetenachse berechneten. Über ihre Arbeit berichten die Forscher in der Fachzeitschrift International Journal of Astrobiology (Bd. 2, S. 1).
Die Erdachse ist relativ zur Umlaufbahn um die Sonne um etwa 23,5 Grad gekippt. Diese Abweichung von der Senkrechten inspiriert schon seit Jahrzehnten Science-Fiction-Autoren: Sie entwerfen dramatische Szenarien, in denen große Kräfte den Neigungswinkel der Planetenachse verändern und damit alles Leben auf der Erde vernichten. Darren Williams und David Pollard von der Penn-State-Universität konnten nun zeigen, dass das Leben auf der Erde durch Veränderungen des Neigungswinkels zwar ungemütlicher würde, jedoch noch möglich wäre.
Mithilfe eines aufwändigen dreidimensionalen Modells simulierten die Wissenschaftler die Klimaveränderungen, die sich aus einer Neigung von 54, 70 oder 85 Grad ergeben würden. Größere Winkel verursachen demnach zwar lokal begrenzt Sommer mit Temperaturen bis zu 80 Grad Celsius, die durchschnittliche Temperatur weicht jedoch nicht extrem von der jetzigen ab. Auch seien keine großen Eiszeiten zu befürchten, schreiben die Forscher. Allerdings würden bei einer stärkeren Neigung große Bereiche des Festlands für mehrere Monate in totaler Dunkelheit oder unter ständiger Sonneneinstrahlung liegen.
Die Wissenschaftler überprüften mit ihrem Modell auch, ob außerirdisches Leben auf Planeten mit einer stärkeren Neigung möglich sein könnte. Dazu variierten sie bei ihren Simulationen sowohl das Verhältnis von Land und Wasser als auch Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre. “Obwohl sich das Klima auf diesen simulierten Welten zum Teil sehr stark von dem der Erde unterschied, wären viele von ihnen sowohl für einfache als auch für komplexere Lebensformen geeignet”, sagt Williams. Besonders die Ozeane hält er für problemlos bewohnbar. Es gebe keinen Grund, diese Planeten bei der Suche nach Leben auszuschließen, schreiben die Forscher.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





