In vulkanischen Glasperlen vom Mond haben Wissenschaftler kleinste Mengen Wasser nachgewiesen. Das Wasser stammt aus der Tiefe des Himmelskörpers und gelangte durch vulkanische Aktivität an die Oberfläche, vermuten die Forscher. Sie gehen daher davon aus, dass weiteres Wasser im Innern und an den Polen des Mondes vorhanden ist. Nach der bisherigen Theorie von der Entstehung des Mondes, nach der dieser durch eine gewaltige Kollision der Erde mit einem marsgroßen Körper entstand, sollte eigentlich alles Wasser verdampft sein. Nach diesem Fund müssten daher wohl Teile der Theorie zur Entstehung des Mondes neu überdacht werden.
Bei der gewaltigen Kollision vor 4,5 Milliarden Jahren sollten eigentlich alle leichten und flüchtigen Elemente, wie zum Beispiel Wasserstoff, verdampft sein. In Analysen von Glasperlen, die von den amerikanischen
Apollo-Missionen auf dem Mond gefunden worden waren, entdeckten Forscher leichte Elemente wie Schwefel und Kohlenstoff. Möglich wurde dies durch die sich ständig weiterentwickelnden Analysemethoden. Jetzt konnten die Wissenschaftler um Saal durch die Entwicklung der sogenannten
Nano-Sekundärionen-Massenspektrometrie auch einen geringen Wassergehalt in den Glasperlen nachweisen. Bei diesem Verfahren wird die Probe mit geladenen Teilchen beschossen, was zur Freisetzung weiterer Teilchen führt, die dann mit hochempfindlichen Detektoren nachgewiesen werden können. So lassen sich selbst kleinste Mengen von Elementen in einer Probe bestimmen.
Die Glasperlen entstanden bei Vulkanausbrüchen vor mehr als drei Milliarden Jahren. Dabei verdampften etwa 95 Prozent des Wassers aus dem Magma, schätzen die Forscher. Aufgrund dieser Schätzung und des Wassergehalts in den Perlen berechneten die Forscher, dass das Gestein vor dem Ausbruch bis zu 750 ppm (parts per million) Wasser enthielt. Diese Menge entspricht auch dem Gehalt an Wasser, den Geologen in altem Magma von der Erde nachgewiesen haben. “Das legt die sehr faszinierende Vermutung nahe, dass das Innere des Monds eben so viel Wasser enthält wie die oberen Gesteinsschichten der Erde”, erklärt Eric Hauri vom Carnegie-Institut für Wissenschaft in Washington, einer der beteiligten Forscher.
Die Wissenschaftler haben zwei Hypothesen für das Vorkommen von Wasser auf dem Mond: Entweder verdampfte nicht alles Wasser während der Kollision, oder das Wasser kam weniger als 100 Millionen Jahre nach der Kollision durch Meteoriten auf den Himmelskörper. Ob sich vielleicht auch Spuren von Wasser nach den Vulkaneruptionen an den Mondpolen angesammelt haben, wo es in lichtlosen Kratern überdauert haben könnte, wollen Forscher der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa demnächst mit der Lunar-Reconnaissance-Orbiter-Mission herausfinden.
Alberto Saal (Brown-Universität in Providence) et al.: Nature, Bd. 454, S. 192 ddp/wissenschaft.de ? Uwe Thomanek