Bei der Entstehung eines Gletschersees bestehen dessen Boden und die Ränder aus Eis. Durch das fortschreitende Abschmelzen des Gletschers vergößern sich – wie Luftaufnahmene belegen – dessen Ausmaße und es bilden sich eine Vielzahl neuer Seen. Die Berandungen dieser Seen bestehen aus Schutt und Geröll und können durch Erschütterungen, wie sie Erdbeben oder Lawinenabgänge auslösen, brechen. Die Folge ist eine Flutwelle, die talabwärts rauscht und alles zerstört, was sich ihr in den Weg stellt.
Surendra Shrestha, regionaler Koordinator der UNEP’s Division of Early Warning and Assessment in Asien, sagte, dass Bodenuntersuchungen und Satellitenaufnahmen darauf hinweisen, dass jeder der 44 gefährdeten Seen trotz Hilfsmaßnahmen in fünf bis zehn Jahren brechen könnte. “Dieses sind die Seen, bei denen wir die Gefahr kennen. Wer weiss, wie viele andere Seen, irgendwo im Himalaya oder in der Welt, im gleichen kritischen Zustand sind?”
Erste Hilfsmaßnahmen wurden unterdessen eingeleitet: beim See Tsho Rolpa, der sich – so die Wissenschaftler – seit Ende der 1950er Jahren um das Sechsfache vergrößert hat, soll durch Absenken des Wasserspiegels das Brechen der Berandungen und damit eine Flutkatastrophe verhindert werden. Shrestha und seine Team leisten aber nicht nur erste Hilfe, sondern entwickelten zusätzlich eine Art Frühwarnsystem, dass den See mit den betroffenen Dörfern verbindet. Allerdings muss, so Shrestha, viel mehr getan werden. “Die Lösung des Problems ist sehr kostspielig, denn die Gletscherseen liegen in sehr abgelegenen Gegenden, die sehr schwer zu erreichen sind.”





