Um die Eroberung des Sonnensystems voranzutreiben, arbeitet die amerikanische Raumfahrtagentur Nasa an neuen Energie- und Antriebskonzepten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Kernreaktoren, die wesentlich mehr Leistung entwickeln können als die zurzeit gebräuchlichen thermoelektrische Radioisotopen-Generatoren. Dem britischen Wissenschaftsmagazin New Scientist zufolge fürchten Astronomen allerdings, dass die Verwendung von Kernreaktoren in Erdnähe die Sicht der empfindlichen Weltraumteleskope Hubble, Spitzer oder Swift stören könnte.
Die USA benutzten bislang erst einmal, 1965, einen Kernreaktor im Weltall, die Sowjetunion griff sogar einige Dutzend Mal zwischen 1967 und 1988 auf Nukleartechnik zurück. Nun will die Nasa die Technik, durch die Spaltung von Uran Wärme und elektrischen Strom zu gewinnen, im Rahmen eines 3-Milliarden-Dollar Projektes mit dem Namen Prometheus weiter verbessern. Mit der gewaltigen Energiemenge, die bei der Kernspaltung freigesetzt wird, könnten leistungsfähigere Instrumente betrieben und mehr Daten zur Erde zurückgesendet werden. Roboter-Missionen zu den ferneren Planeten und Monden des Sonnensystems wären möglich ? und die Reisezeit könnte sich mithilfe des so genannten Ionen-Antriebs, wie ihn die Nasa bei der Mission Deep Space 1 erstmals erprobte, drastisch verkürzen.
Ein Ziel für die Prometheus-Mission steht noch nicht fest. Zunächst wollte die Nasa den geplanten Jupiter Icy Moons Orbiter mit dem Prometheus-Projekt verbinden, was wegen der hohen technischen Ansprüche aber verworfen wurde. Andere mögliche Ziele für den Ersteinsatz des Weltraum-Reaktors sind Mond, Mars, Venus oder ein Asteroid. Daneben kommen auch weiter entfernte Ziele wie der Saturnmond Titan oder der Neptun-Mond Triton in Betracht.
Für Forscher, die aus dem Sonnensystem hinausblicken wollen, sind die Kernreaktoren allerdings ein Ärgernis. “Sie erzeugen große Mengen von Teilchen und Strahlung bis hin zu Gammastrahlen, die die Weltraumteleskope blenden könnten”, sagte Gary Bernstein von der University of Pennylvania dem New Scientist. Bernstein ist Mitglied eines Ausschusses des Nationalen Forschungsrates der USA, der jetzt einen Bericht zum Prometheus-Projekt vorlegte.
Demnach sei der nuklear-elektrische Antrieb, an dem die Nasa arbeitet, nicht geeignet für die geplanten bemannten Raumfahrt-Missionen. Der Ausschuss kritisiert auch, dass noch hohe technischen Hürden zu überwinden sind, bis die Reaktortechnik im Weltraum zuverlässig genug für eine Mission ins äußere Sonnensystem ist. Bei solch einer Mission müsste ein Reaktor mindestens zehn Jahre ohne Wartung auskommen. Die Kosten für das Prometheus-Projekt sind ein weiterer Kritikpunkt: “Wenn man Prometheus bevorzugt, fallen andere Projekte hinten runter”, sagt Gary Bernstein, “man bekommt diese Technik nicht umsonst.”
Ute Kehse





