Diese Annahme scheint jedoch nicht ganz zu stimmen, konnten Hinrichs und seine Kollegen nun zeigen. Sie hatten während einer Expedition mit dem Bohrschiff “Joides Resolution” Proben aus bis zu 400 Metern Tiefe aus dem Meeresboden im tropischen Pazifik entnommen, um das mikrobielle Leben im tiefen Untergrund zu untersuchen. Bei der Analyse bemerkten sie in einigen Proben ungewöhnlich hohe Konzentrationen an Ethan und Propan. Bald wurde klar, dass die Gase während der Wartezeit zwischen Probenentnahme und Analyse aus den Sedimenten entwichen sein mussten.
“Ethan- und propanführende Erdöl- oder Erdgaslagerstätten sind weit entfernt. Sie kommen als Quelle nicht in Betracht”, sagt Kai-Uwe Hinrichs. Erdölbestandteile haben außerdem einen anderen chemischen Fingerabdruck als die Kohlenwasserstoffe in den Proben vom Meeresgrund. Das Team konnte zudem zeigen, dass in der Tiefe ausreichend Energie für das Wachstum bakterieller Lebensgemeinschaften abfällt, berichtet Hinrichs Kollege Wolfgang Bach.
Die Forscher vermuten, dass die bislang unbekannten Mikroben Ethan aus Acetat, dem Salz der Essigsäure, und Wasserstoff zusammensetzen. Acetat ist auch der Ausgangsstoff für Propan, das aus drei Kohlenstoff- und acht Wasserstoffatomen besteht. Das dritte Kohlenstoffatom stammt von einem anorganischen Molekül, dem so genannten Bikarbonat-Ion (HCO3-). Acetat ist überall im Meeresboden vorhanden und entsteht bei der Zersetzung organischer Materie.
Nun versuchen die Bremer Forscher, die tief im Meeresboden ablaufenden Vorgänge im Labor zu simulieren. Sollte dies gelingen, hat Hinrichs schon einen Plan im Hinterkopf: “Dann sollten wir schauen, ob wir den Energieträger Propan mit Hilfe der Bakterien erzeugen können.”





