Europäische Astronomen haben den bislang flachsten Stern im Weltraum ausgemacht: den Stern Achernar in der Konstellation Eridanus. Der Radius am Äquator Achernars ist um mehr als die Hälfte größer als sein Radius an den Polen. Damit gleicht der 145 Lichtjahre von der Erde entfernte Stern eher einem elliptischen Körper als einer Kugel, berichtet die Europäische Südsternwarte in Garching bei München.
Zur Vermessung des Sterns schalteten die Forscher zwei Teleskope des Paranal-Observatoriums in Chile zu einem so genannten Interferometer zusammen. Diese Technik bietet eine neue Möglichkeit, detaillierte Informationen über die Form, die Oberflächenbeschaffenheit und die innere Struktur eines Sterns zu erhalten. Damit konnten die Wissenschaftler die bisher genauste Vermessung des Sterns Achernar, der auch unter dem Namen Alpha Eridani bekannt ist, vornehmen.
Das Phänomen ist eine Herausforderung für die theoretische Astrophysik. Kein gängiges Modell kann die starke Abflachung erklären, ohne den inneren Aufbau des Sterns in Betracht zu ziehen. Aus den Messungen schließen die Astronomen, dass Achernar entweder schneller rotiert als bisher angenommen oder sich nicht nach den Rotationsgesetzen starrer Körper verhält. Einen Erklärungsansatz für die Abflachung könnten Nord-Süd-Ströme auf der Oberfläche des Sterns oder ungleichmäßig rotierende Schichten in verschiedenen Tiefen des Sterns bieten.
Der Name des bläulich-weißen Sterns stammt aus dem arabischen und bedeutet “Ende des Flusses”. Achernar stellt das Ende eines gedachten Flusses dar, der vom Sternbild Orion bis zum Sternbild Tukan verläuft.
Planeten und Sterne wie die Sonne erscheinen dem Beobachter auf den ersten Blick rund. Allerdings ist auch die Erde nicht völlig rund, sondern an den Polen abgeflacht. Die schnelle Rotation von Sternen verformt diese, so dass sie eher elliptisch als kugelförmig aussehen. Anhand der Stärke der Verformung können Astrophysiker Rückschlüsse auf die innere Beschaffenheit der Gaskugeln ziehen.
ddp/bdw ? Christine Harbig





