Nun bleiben dem Bodenpersonal höchstens noch zwei Tage, um die Mir kontrolliert niedergehen zu lassen. Am besten dafür geeignet halten die Russen das menschenleere Gebiet im Pazifik zwischen Neuseeland und Südamerika. Insgesamt sechs Mal haben sie die Chance, die Mir auf den richtigen Kurs zu bringen. So oft gelangt die Station auf ihrem letzten Flug in eine Position, von der aus sie den Südpazifik erreichen kann. Voraussichtlich am 20. März ist es soweit. Dann soll die Mir endgültig in die Tiefe gesteuert werden. Hat die Station nur noch eine Flughöhe von 65 Kilometern, erhitzt die Luftreibung das Gefährt so stark, dass es anfängt zu glühen und auseinanderbricht.
Anschließend wird die Mir wird in der Atmosphäre größtenteils verbrennen. Übrig bleiben allerdings noch etwa 40 Tonnen Bruchstücke, die schließlich mit 30.000 Stundenkilometern ins Meer donnern. Sie werden sich dabei auf ein 6.000 Kilometer langes und 200 Kilometer breites Gebiet verteilen.
Walter Flury von der Europäischen Weltraumagentur ESA in Darmstadt reiste Anfang Januar nach Moskau, um sich über die Absturzpläne zu informieren. Er ist zuversichtlich, dass den Russen das Flugmanöver gelingt: “Außerhalb des Zielgebiets ist die Gefährdung äußerst klein wenn die Prozedur gelingt.” Versagen aber die Steuersysteme der Mir könnten die Mir-Trümmer irgendwo zwischen dem nördlichen und südlichen 52. Breitengrad niederregnen auf Australien, Amerika oder Europa ( Karte). In der Vergangenheit ist es mehrmals vorgekommen, dass Trümmer aus dem Weltall versehentlich auf bewohntes Gebiet niedergingen. So geriet den Amerikanern 1979 ihre Raumstation Skylab außer Kontrolle und schlug in Westaustralien ein. Auch der Vorgängerin der Mir, der sowjetischen Saljut-7, erging es ähnlich. Vor zehn Jahren prasselten ihre Reste nach einem unkontrollierten Sturzflug auf Argentinien. Nur durch Zufall wurde damals niemand verletzt.
Aus den Fehlern hat man gelernt, sagt Flury. So haben die Amerikaner 1979 den Abstieg falsch berechnet und den Russen ist bei der Saljut-7 schlicht der Treibstoff ausgegangen. “Die Mir dagegen hat genügend Treibstoff an Bord.” Am meisten fürchten Experten ein Versagen der Steuersysteme der Mir. Die Station hat sich in den letzten Jahren als besonders anfällig erwiesen. Seit 1997 will eine Serie technischer Pannen auf der Mir nicht mehr abreißen. Den Anfang machte damals ein fehlgeleiteter Progress-Transporter, der die Mir gerammt hat.
Der letzte größere Zwischenfall ereignete sich im vergangenen Dezember: Für 21 Stunden brach der Funkkontakt zur Mir ab und die Raumstation taumelte blind durchs All. Nur mit Mühe konnten die russischen Fachleute die Kontrolle über die Station zurückgewinnen.
Endgültig ausgefallen sind hingegen Schwungräder, die normalerweise die Lage der Mir stabilisieren. Ihre Rolle müssen jetzt die Steuerdüsen der Station übernehmen. Flury vertraut jedoch auf das Können und seiner Kollegen: “Die Russen haben seit 15 Jahren immer wieder die Probleme der Mir gelöst.”
Nach dem Absturz der Mir wird die Gefahr, dass Trümmer von Weltraumstationen auf bewohntes Gebiet prasseln, nicht vorüber sein. Mit der Internationale Raumstation ISS schwebt bereits der nächste Koloss im All. Auch er wird eines Tages zur Erde zurückkehren. Wir bei ihren Vorgängern haben die Ingenieure auch diesmal nicht das Ende der Station bedacht, sagt Flury. Marcel Falk Wo steht die Mir zur Zeit? Verfolgen Sie die Position auf der Karte.





