Physik wird für immer mehr zu einem Buch mit sieben Siegeln, und die Zahl der Studenten sinkt europaweit. Dies war der Ausgangspunkt des europäische Wissenschaftsfestivals Physics on Stage II, das vom 2. bis zum 5. April im European Space an Technology Center ( ESTEC) in Nordwijk, Holland, stattfand. Etwa 500 Lehrkräfte der Physik, Bildungsexperten und Wissenschaftler aus 22 europäischen Ländern erörterten in Vorführungen und Diskussionen Möglichkeiten, die Physikausbildung zu verbessern. Physics on Stage soll als jährliches Festival fortgeführt werden. Hauptorganisatorin war die European Space Agency ( ESA) in Kooperation mit anderen europäischen Forschungseinrichtungen.
Erklärtes Ziel der Veranstaltung war, auf das geringe Niveau der naturwissenschaftlichen Bildung in Europa aufmerksam zu machen und Lösungsideen und Unterrichtsmaterialien auszutauschen. An Messeständen und in Vorführungen stellten Delegierte der einzelnen Länder neue Ansätze zur Physikvermittlung vor ? von Schülerexperimenten in den Nanowissenschaften bis zum Theaterstück über die faszinierende Physik des Sandes.
In Workshops versuchten die Teilnehmer, Lösungen für die Probleme und neuen Herausforderungen der europäischen Physikausbildung zu finden: Die Themen reichten von den Naturwissenschaften in Kindergarten und Grundschule bis zum europäischen Lehreraustausch.
Am letzten Tag wurden die Empfehlungen der Workshops dem europäischen Kommissar für Forschung, Philippe Busquin, vorgelegt und die besten Projekte prämiert. Den ersten Platz belegte der spanische Lehrer, Rafael Garcia-Molina, der im Unterricht Comics und einfache Experimente mit Löffeln und Ballons einsetzt, und so seinen Schülern Physik humorvoll näher bringt. Den zweiten Platz belegte eine Gruppe ungarischer Lehrer, ebenfalls mit sehr einfachen Experimenten: Sie verdeutlichen die Elektrostatik mit Strohhalmen. Den dritten Platz belegte die dänische Studentengruppe “Fysikshow”. Insgesamt wurden 18.000 Euro Preisgeld vergeben.
Aus Deutschland nahmen dreißig Delegierte mit ihren Projekten und Vorführungen teil, die in einem nationalen Wettbewerb ausgewählt worden waren. Der Leiter des Organisationskomitees für Deutschland, Michael Kobel von der Universität Bonn, sagte über die Veranstaltung: “Die Probleme der Physikausbildung sind inzwischen durch Pisa ins öffentliche Bewusstsein gedrungen. Pisa zeigt auch, dass andere Länder teilweise über bessere Lösungsansätze verfügen. Mit Physics on Stage wollen wir im europäischen Austausch gemeinsame Lösungen finden und deutliche Empfehlungen aussprechen.” Die Initiative müsse aber auf nationaler Ebene stärker gefördert werden, merkt Wolfgang Welz von der oberen Schulaufsicht in Köln und ebenfalls Mitglied des Organisationskomitees an. Zwar sei in Europa die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit erkannt worden, doch fehle es noch an Unterstützung durch die einzelnen Länder.
Physics on Stage wurde erstmals im Jahr 2000 auf Initiative der drei großen europäischen Forschungseinrichtungen CERN, European Southern Observatory ( ESO) und der ESA in Genf veranstaltet. Finanzielle Förderung kam von der EU. Wubbo Ockels von der ESA betont, dass Forschungseinrichtungen auf qualifizierten Nachwuchs angewiesen seien und daher ein großes Interesse an der Förderung der Physikausbildung hätten.
Auch in diesem Jahr waren neben CERN, ESA und ESO zahlreiche europäische Forschungs- und Bildungseinrichtungen beteiligt, wie die European Physical Society ( EPS), die European Association for Astronomy Education ( EAAE), das European Fusion Development Agreement ( EFDA-JET), das European Molecular Biology Laboratory ( EMBL) und die European Synchrotron Radiation Facility ( ESRF).
Florian Sander





