Insgesamt neun Tonnen Treibstoff, Proviant und wissenschaftliches Gerät kann der Raumschlepper der Zukunft ins All hieven. Der Super-Transporter der europäischen Raumfahrt ist achteinhalb Meter lang und dabei mit eigenen Triebwerken, Solargeneratoren sowie einem Navigationssystem ausgerüstet. Im September des Jahres 2004 soll das nüchtern “ATV” (Automated Transfer Vehicle) getaufte Versorgungsfahrzeug erstmals mit der leistungsstarken europäischen Trägerrakete Ariane 5 starten. “ATV” hat den Auftrag, die internationale Weltraumstation zehn Jahre lang zu bedienen – als wesentlicher Beitrag der Europäer zu der ISS.
Unser Transporter ist 22 Tonnen schwer, groß wie ein Linienbus, und er kann im Vergleich mit dem russischen Progress-Raumschiff das Vielfache in den Weltraum bringen, erläutert Jörg Feustel-Büechl von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) am Rande des Luft- und Raumfahrtsalons von Le Bourget bei Paris. Hier stellen die Europäer vor allem auch vor, was sie mit der Weltraumstation in den nächsten Jahren zu tun haben werden. Darunter ist als Glanzstück das geplante riesige Columbus-Labor, die ständige Arbeitsstätte für die Forscher.
Kräftig ist der Industrie-Etat für den Raumschlepper im Jahr 2000 auf gut eine Milliarde Mark (524 Millionen Euro) aufgestockt worden. Der zehn Meter lange Super-Cargo hat einen Durchmesser von etwa fünf Metern, ist vom Antrieb, also der Energie her, nach dem Start völlig selbstständig, und kann bis zu neun Monate an einem russischen Teil der internationalen Raumstation angedockt bleiben. Feustel-Büechl ist bei der ESA in Paris zwar Direktor auch für die bemannte Raumfahrt, doch dieser Transporter braucht für seine Reise keine Astronauten.
Entwickelt von der Abteilung Startfahrzeuge des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, wird “ATV” von dem neuen europäischen Raumfahrtunternehmen Astrium produziert. “Neun bis zehn Stück werden es sein”, berichtet der Fachmann in Le Bourget. “Alle 15 Monate soll gestartet werden. Die Transporter sind also nicht wiederverwendbar.”
Mit diesen neun bis zehn Raumschleppern können die Europäer im Zeitraum bis mindestens 2013 beweisen, dass auch sie die Kunst des Andockens beherrschen. Dieser leistungsstarke Euro-Raumtransporter vermag aber noch mehr. Angedockt an die Station, hebt er die langsam absinkende Weltraumstation immer wieder auf die richtige Bahnhöhe.
Aus dem für “ATV” zuständigen Kontrollzentrum im südfranzösischen Toulouse ständig überwacht, geht jeder Transporter dann eines Tages unrühmlich unter. Beladen mit “Entsorgungsgut”, wie man die Abfälle aus der Großstation in der Sprache des Weltraums so nennt, wird der Lastesel abgekoppelt – und verglüht dann bei einem gezielten Absturz.
dpa





