Kräftig ist der Industrie-Etat für den Raumschlepper im Jahr 2000 auf gut eine Milliarde Mark (524 Millionen Euro) aufgestockt worden. Der zehn Meter lange Super-Cargo hat einen Durchmesser von etwa fünf Metern, ist vom Antrieb, also der Energie her, nach dem Start völlig selbstständig, und kann bis zu neun Monate an einem russischen Teil der internationalen Raumstation angedockt bleiben. Feustel-Büechl ist bei der ESA in Paris zwar Direktor auch für die bemannte Raumfahrt, doch dieser Transporter braucht für seine Reise keine Astronauten.
Entwickelt von der Abteilung Startfahrzeuge des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, wird “ATV” von dem neuen europäischen Raumfahrtunternehmen Astrium produziert. “Neun bis zehn Stück werden es sein”, berichtet der Fachmann in Le Bourget. “Alle 15 Monate soll gestartet werden. Die Transporter sind also nicht wiederverwendbar.”
Mit diesen neun bis zehn Raumschleppern können die Europäer im Zeitraum bis mindestens 2013 beweisen, dass auch sie die Kunst des Andockens beherrschen. Dieser leistungsstarke Euro-Raumtransporter vermag aber noch mehr. Angedockt an die Station, hebt er die langsam absinkende Weltraumstation immer wieder auf die richtige Bahnhöhe.
Aus dem für “ATV” zuständigen Kontrollzentrum im südfranzösischen Toulouse ständig überwacht, geht jeder Transporter dann eines Tages unrühmlich unter. Beladen mit “Entsorgungsgut”, wie man die Abfälle aus der Großstation in der Sprache des Weltraums so nennt, wird der Lastesel abgekoppelt – und verglüht dann bei einem gezielten Absturz.





