Rico Stecher: Um Fossilien zu suchen, gehe ich jedes Jahr etwa drei Wochen ins Feld. Das darf man sich nicht so vorstellen wie in Deutschland: Dort fährt man mit dem Auto zum Steinbruch, steigt aus und sucht. In meiner Region haben wir solche Steinbrüche jedoch nicht. Die Schichten, die ich untersuche, sind meist sehr abgelegen. Da muss man manchmal zwei bis drei Stunden Anmarschzeit einrechnen, bis man überhaupt dort ist. Und abends muss man diese Strecke wieder nach Hause gehen.
Welche Ziele steuern Sie an und worauf achten Sie auf Ihren Touren?
Ich suche vor allem im Ostalpin, etwa am Schesaplana oder am Tinzenhorn, wo ich den Flugsaurier gefunden habe. Die interessanten Schichten liegen weit oben in den Bergen. Dort suche ich vor allem in den Schutthalden, die sich unterhalb der Schichten bilden. Die Schichten abzutragen lohnt sich nicht, dafür sind Fossilien dort zu selten. Aber in den Schutthalden kommt immer neues Material nach.
Sie haben schon ihren Fund eines Flugsauriers erwähnt. Wie haben sie ihn entdeckt?
An jenem Tag bin ich am Tinzenhorn die Schutthalde weiter hinauf gegangen als normal. Dazu musste ich über Felsketten klettern, es ist abschüssig dort und man muss aufpassen, denn es gibt Steinschlag. Und dann habe ich diese Platte gesehen: Sie stand wie angelehnt am Felsen und hatte lange auffällige Knochen drauf, das habe ich schon von einiger Distanz gesehen. Ich habe diese Platte hinuntergetragen, da wusste ich noch nicht, dass dies ein Flugsaurier war.
Wann haben sie realisiert, dass Sie einen unbekannten Flugsaurier entdeckt haben?
Als ich die langen Knochen fand, da war schon der erste Gedanke: Das ist ein Flugsaurier. Doch den Gedanken habe ich direkt wieder weggeschoben: Flugsaurier findet man eher in den USA, nicht in der Schweiz. Erst beim Präparieren habe ich gemerkt, wie leichtgebaut der Schädel ist. Ich dachte: Warum sollte er leicht sein? Weil er vielleicht geflogen ist! Er ähnelte auch einem anderen Flugsaurier, dem Eudimorphodon, der auch fünfspitzige Zähne wie mein Fund besitzt. Dann habe ich mir die Literatur aus den Bibliotheken und dem Internet bestellt, durchstudiert und gemerkt: Mein Fund ist etwas anderes. Mir wurde dann geraten, nicht nur eine neue Art, sondern eine neue Gattung aufzustellen. Denn es ist leichter, verschiedene Gattungen zusammenzufügen, anstatt eine Gattung auseinanderzunehmen.





