Das Gespräch führte DIRK EIDEMÜLLER
Die Fusionsforschung hat in den letzten Jahren einige spannende Ergebnisse erzielt. Was hat Sie selbst am meisten überrascht?
Tatsächlich hat mich die Zündung bei der Laserfusion am Lawrence Livermore National Laboratory Ende 2022 beeindruckt – wissenschaftlich gesehen ist das ein großer Erfolg. Es war das erste Mal, dass bei einem Trägheitsfusionsexperiment mehr Energie durch die Fusion freigesetzt wurde, als durch Laserlicht in den Brennstoff eingebracht worden ist. Das war ein Meilenstein – auch wenn zur Realisierung eines Kraftwerks auf dieser Basis noch enorme technologische Hürden bestehen. Dieser Erfolg hat übrigens dazu geführt, dass Fusionsenergie jetzt verstärkt als eine Energieoption wahrgenommen wird.
Gibt es weitere Beispiele?
Sehr gefreut haben mich auch die Fusionsrekorde bei dem europäischen Tokamak JET im britischen Culham bei Oxford, zuletzt 2024. Dort wurde mit einem Gemisch aus Deuterium und Tritium eine Fusionsenergie von fast 70 Megajoule erzeugt – ein klares Signal, dass unsere theoretischen Modelle stimmen. Und aus Sicht unseres Instituts natürlich besonders erfreulich: Die jüngsten Erfolge von Wendelstein 7-X. Das Stellarator-Experiment hat bei langen Entladungszeiten ein sogenanntes Tripelprodukt – einen zentralen Erfolgsmaßstab in der Kernfusionsforschung – erreicht, das mit den Werten der besten Tokamaks konkurrieren kann. Dass der Stellarator Wendelstein 7-X bei diesem Schlüsselparameter der Fusionsforschung bereits jetzt mithalten kann, ist ein echtes Ausrufezeichen.
Was sagen Sie zu den abschließenden Messungen von JET? Dieses Experiment ist ja
abgeschaltet worden, obwohl viele Wissenschaftler dort gerne weiter mit der Anlage gearbeitet hätten.
JET hat der europäischen Fusionsforschung über Jahrzehnte hinweg wichtige Impulse gegeben. Viele meiner Kollegen – auch von unserem Institut – haben dort gemeinsam großartige Erfolge erzielt. Das schweißt zusammen und macht natürlich traurig, wenn es vorbei ist. Aber die Anlage war technisch überholt und sie hatte ihre Aufgaben bei der Vorbereitung von ITER erfüllt. Jetzt übernimmt das europäisch-japanische Gemeinschaftsexperiment JT-60SA in Japan diese Rolle – eine moderne Anlage mit ähnlicher Größe, aber ohne Tritium-Betrieb. Für viele physikalische Fragestellungen reicht die Deuterium-Deuterium-Fusion aus, zumal wir unsere Theorien mit den JET-Daten gut auf ihre Gültigkeit überprüfen konnten.
Welche Möglichkeiten gibt es nach dem Ende von JET für die Tokamak-Forschung in Deutschland? Die Forschungsanlage Asdex Upgrade des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Garching ist ja deutlich kleiner.





