von ANDREA STEGEMANN
Die Vereinten Nationen haben für das Jahr 2025 das „Internationale Jahr der Quantenwissenschaft und Quantentechnologie“ ausgerufen. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) feiert „Quantum2025“, die Max-Planck-Gesellschaft „100 Jahre Quantensprung“, die LMU München das „Quantenjahr“, die Universität Göttingen „100 Jahre Quantenmechanik“ und das Forschungszentrum Jülich „Die Wissenschaft des Unvorstellbaren – 100 Jahre Quantenphysik“. Alle reden von Quanten, alle ein wenig anders, aber alle sind dabei. Vielleicht spiegelt dies sogar ganz quantenmäßig das „sowohl – als auch“, die Unschärfe, Überlagerung, das Wahrscheinliche und Zufällige in dieser Wissenschaft wider.
Ohne die Quantentheorie gäbe es weder Solarzellen, Leuchtdioden, Transistoren, Computer und Internet noch Kernreaktoren und -waffen, auch nicht viele Errungenschaften der modernen Medizin. In den technischen Gesellschaften begegnen Menschen der Quantenphysik ständig, etwa am Laserscanner der Supermarktkasse, oder sie tragen sie mit sich herum – im Mobiltelefon.
Warum das Quantenjahr jedoch gerade 2025 ausgerufen wurde, verdeutlicht der Hinweis „100 Jahre“. Er ist ein klarer Fingerzeig Richtung Göttingen, denn 1925 geschah dort Revolutionäres. Und es gibt ein weiteres Indiz: Vor wenigen Wochen reisten nicht nur Mitglieder der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) nach Göttingen, sondern auch Vertreter der European Physical Society (EPS). In einem Festakt in der altehrwürdigen Aula der Universität verlieh die EPS-Präsidentin Mairi Sakellariadou der Stadt Göttingen die Auszeichnung: „Historische Stätte der Physik“. Nach Jena ist Göttingen erst die zweite so geehrte deutsche Stadt.
Die Begründung der EPS für die Ernennung liest sich zugleich wie ein historisches „Who‘s Who“ der Physik: „Im Jahr 1925 begründeten Max Born, Werner Heisenberg und Pascual Jordan in Göttingen die Quantenmechanik. Die neue Theorie, die unser Naturverständnis grundlegend veränderte, wurde rasch weiterentwickelt und angewandt, mit weiteren bahnbrechenden Beiträgen von Maria Goeppert-Mayer, Friedrich Hund, Lucy Mensing, John von Neumann, Robert Oppenheimer, Wolfgang Pauli, Viktor Weisskopf und Eugene Wigner, die alle in den folgenden Jahren hier arbeiteten. Göttingen wurde schnell zu einem führenden Zentrum der modernen Physik. Diese Entwicklung wurde durch die herausragende Stellung der Göttinger Mathematiker begünstigt, insbesondere vertreten durch Richard Courant, David Hilbert, Felix Klein, Emmy Noether und Hermann Weyl. Die Experimente zur Atom- und Molekülspektroskopie von James Franck und Hertha Sponer bestätigten die theoretischen Arbeiten und förderten den Erfolg der Quantenmechanik.“





