Eine “normale” Supernova findet statt, wenn ein massereicher Stern das Ende seines Lebenszyklus erreicht hat. Dann lässt seine Kernfusion nach und es kommt zu einem schwerkraftbedingten Kollaps, bei dem der Stern quasi in sich zusammenstürzt. Es gibt aber auch Supernovae, bei denen der Ausgangstern bereits zu einem Weißen Zwerg geworden ist – einem sehr kompakten Sternenrest, der einen Großteil seiner Hülle abgeworfen hat. Wenn dieser Weiße Zwerg in einem Doppelsternsystem kreist, kommt es häufig dazu, dass er seinem stellaren Begleiter Material absaugt. Überschreitet seine Masse dann eine kritische Grenze, kommt es zu einer Supernova vom Typ 1a. Weil diese Sternexplosionen eine standardisierbare Helligkeit zeigen, werden sie in der Astronomie gerne als “Standardkerzen” genutzt – über sie lässt sich die Entfernung ferner Galaxien messen und damit auch die Ausdehnung des Kosmos.
Röntgenblick ins Herz der Milchstraße
Doch so bedeutend die Supernovae Typ 1a für die Astronomie sind, der Ablauf dieser Explosionen ist bislang erst in Teilen geklärt. Das gilt in besonderem Maße für eine Unterart dieser Sternexplosionen, die Supernova Typ 1ax. Astrophysiker vermuten, dass die thermonuklearen Reaktionen bei diesen Explosionen eines Weißen Zwergs langsamer ablaufen, wodurch weniger schwere Elemente gebildet werden. Zudem könnten bei diesen Supernovae noch Reste des Weißen Zwergs erhalten bleiben. Theoretischen Berechnungen nach kommen auf zehn normale Typ-1a-Supernovae rund drei Typ-1ax-Explosionen. Bisher jedoch hatten Astronomen kaum Chancen, das Geschehen bei diesem selten Supernova-Typ näher zu erforschen: “Der Ursprung dieser Sternexplosionen ist hochgradig umstritten, auch weil das Wissen über diesen Typ allein von extragalaktischen Fällen stammt”, erklären Ping Zhou von der Universität Amsterdam und seine Kollegen. Unter den rund 290 bis 380 bekannten Supernova-Relikten in der Milchstraße stammte bisher kein einziger Überrest von einer Typ-1ax-Supernova.
Das hat sich nun geändert. Denn Zhou und sein Team haben jetzt herausgefunden, dass ein schon länger rätselhaftes Objekt im Herzen der Milchstraße das Relikt einer solchen Supernova Typ 1ax sein könnte. Es handelt sich um Sagittarius A East (Sgr A East), ein leuchtendes Gebilde aus Staub und Gas, das in unmittelbarer Nähe zum zentralen Schwarzen Loch unserer Galaxie liegt. Es ist daher nur rund 25.000 Lichtjahre von uns entfernt. Um zu ermitteln, durch welchen Prozess dieses Relikt entstanden ist, haben die Astronomen es nun mithilfe des Chandra-Röntgenteleskops näher untersucht. Mittels Röntgenspektroskopie konnten sie ermitteln, wie die Gase zusammengesetzt sind und wie schnell sie sich bewegen.





