Ihre Untersuchungen offenbarten: Obwohl Kalligrammatidae und Schmetterlinge unterschiedlichen Entwicklungslinien entstammten, haben sie erstaunlich ähnliche Merkmale hervorgebracht. Am auffälligsten: die Flügel. Wie bei vielen heutigen Schmetterlingsarten wiesen auch diejenigen der Kalligrammatidae Kreise auf. Diese sogenannten Augenflecken dienen unseren modernen Flattertieren zur Abschreckung von Fressfeinden. Vermutlich erfüllten sie diesen Zweck bei den Kalligrammatidae ebenso, erklären die Forscher. Detailuntersuchungen legen zudem nahe, dass ihre Flügel vermutlich auch bereits bunte Farben besaßen und außerdem die für Schmetterlingsflügel typischen feinen Schuppenstrukturen.
Parallele Evolution führte zur Ähnlichkeit
Offenbar ernährten sich die Kalligrammatidae auch auf erstaunlich ähnliche Weise wie unserer heutigen Schmetterlinge, wie mikroskopische Untersuchungen der Mundpartien der Fossilien ergaben. Sie bildeten demnach ebenfalls einen langen Saugrüssel. Spuren von kohlenhydrathaltigen Überresten in diesen Ernährungsorganen legen nahe, dass die Kalligrammatidae damit zuckrige Lösungen saugten, ähnlich wie die Schmetterlinge den Nektar von Blüten. Doch diese Nahrungsquellen gab es vor 150 Millionen Jahren noch nicht, berichten die Forscher. Vermutlich haben sich die Kalligrammatidae damals an frühen Samenpflanzen gütlich getan, die ebenfalls bereits zuckrige Lösungen absonderten. Als Gegenleistung wurden sie von den flatternden Insekten bestäubt. Als diese Pflanzen ausstarben, verschwanden mit ihnen vermutlich auch die Kalligrammatidae. Erst später entwickelten sich dann Pflanzen mit Blüten, an die sich die Vorfahren unserer heutigen Schmetterlinge anpassten.
Wie die Studie zeigt, entwickelten diese dabei erneut Merkmale, wie sie die Kalligrammatidae bereits zuvor hervorgebracht hatten. Dieses Phänomen wird als parallele Evolution oder auch konvergente Evolution bezeichnet: Unabhängig von einander entwickeln sich ähnliche Lösungskonzepte bei ähnlicher Lebensweise.





