An den Gelenkflächen und Muskelansatzstellen des Oberarmknochens konnten die Forscher erkennen, dass die bislang unbekannte Art sich von anderen frühen Lurchen deutlich unterschied. Das Schultergelenk zeigte bereits eine geringere Beweglichkeit als bei Fischen ? wie für Amphibien typisch. Das Ellenbogengelenk war jedoch wahrscheinlich nicht stabil genug, um die Körperlast dauerhaft zu tragen. Die Lurche besaßen anscheinend große Brustmuskeln, die geeignet waren, den Körper wie bei Liegestützen vom Boden abzuheben. Sie lebten deshalb wohl noch nicht an Land, sondern nutzten ihre Arme, um in langsam fließenden Flüssen ihren Kopf über Wasser zu halten, vermuten Shubin und seine Kollegen. Diese Hypothese würde nach Ansicht der Forscher auch einige fossile Fußspuren in ausgetrockneten Flussbetten erklären, deren Herkunft den Forschern bislang ein Rätsel war.
Die Wirbeltiere entwickelten bereits Arme, schon bevor sie das erste Mal an Land gingen. Diese dienten den ersten Amphibien dazu, sich im Flachwasser auf dem Grund abzustützen, bevor sie richtig laufen konnten. Das schließen Paläontologen der Universität von Chicago aus einem 370 Millionen Jahre alten Oberarmknochen, den sie jetzt in Nordamerika gefunden haben. Es ist der älteste bislang bekannte Armknochen. Er führt zu einem neuen Bild von der Besiedlung des Festlands durch die Wirbeltiere, berichten Neil Shubin und seine Kollegen in der Fachzeitschrift Science (Bd. 304, S. 90).
Die ersten Landwirbeltiere ? die Amphibien ? entwickelten sich aus Fischen. Dabei formten sich die Brustflossen zu Armen um. Bislang glaubten Paläontologen, dass die ersten Amphibien sich kriechend an Land fortbewegten und die Arme erst später entstanden. Der Oberarmknochen, den die amerikanischen Paläontologen in Pensylvannia gefunden haben, widerlegt diese Annahme: Er gehört zwar eindeutig einem Lurch, aber laufen konnte das Tier wahrscheinlich noch nicht.
ddp/bdw ? Thomas Kappe





