Ein Forscherteam hat in Nordchina ein 2,5 Milliarden Jahre altes Stück Ozeankruste entdeckt. In ihrem Bericht im Fachmagazin Science schließen sie, dass der Erdmantel damals nicht viel heißer war als heute.
Im Zuge der Plattentektonik wird alte Ozeankruste normalerweise recycelt. So bildet sich heute beispielsweise mitten auf dem Boden des Atlantiks ? auf dem Mittelozeanischen Rücken? durch aufsteigendes Magma neue Ozeankruste. Das ist der Grund, weswegen Europa und Amerika sich mit 2,5 Zentimeter pro Jahr voneinander entfernen. Da der Platz auf der Erde aber begrenzt ist, muss dafür an anderer Stelle Kruste nach unten abtauchen. Das geschieht heute vor allem im pazifischen Raum.
Doch wenn bei der Kollision von Kontinentalplatten Berge aufgetürmt werden, kann es sein, dass manche Plattenfragmente nicht wieder nach unten abtauchen. Einige dieser so genannten Ophiolit-Komplexe sind bisher entdeckt worden. Doch keiner war so gut erhalten, dass man ihn zweifelfrei als Ozeankruste identifizieren konnte.
Der jetzt von Timothy Kusky von der St. Louis University und seinen Kollegen entdeckte Dongwanzi-Komplex ist dagegen nicht zergliedert. Außerdem konnten die Forscher in ihm alle Gesteinsarten nachweisen, die eine Ozeankruste kennzeichnen. Überraschend war die Ähnlichkeit mit heutigem Ozeankrustengestein, da man bisher davon ausging, dass der Erdmantel vor 2,5 Milliarden Jahren etwa dreimal heißer war als heute.
Jeffrey Karson von der Duke University hält es für möglich, dass man in einem 2,5 Milliarden Jahre alten Ophiolit-Komplex sogar Hinweise auf die ersten Lebewesen finden könnte, die vielleicht damals die heißen Quellen auf dem Mittelozeanischen Rücken besiedelten.
Axel Tillemans





