Vor etwa 800 Millionen Jahren hat sich die Erde um fünfzig Grad zur Seite geneigt, vermuten amerikanische Forscher: Auf die heutige Erde übertragen würde Alaska dann am Äquator liegen. Verantwortlich für diese Verschiebung war wohl ein großer Vulkan in der Arktis, der eine Unwucht der Erddrehung verursachte. Diese Ansammlung von Masse wanderte im Lauf der Zeit in Richtung Äquator und kippte so die Erde zur Seite. Die Erdachse blieb dabei im Raum relativ zur Sonne weitgehend stabil. Zu diesen Schlüssen kommen Forscher um Adam Maloof von der Universität in Princeton bei Untersuchungen der magnetischen Ausrichtung von Sedimentgesteinen.
Die Möglichkeit einer Polverlagerung wird unter Geologen schon seit 140 Jahren diskutiert. Die Ergebnisse der Forscher liefern nun gewichtige Hinweise für diese Theorie. Laut den Forschern betrug die Verschiebung etwa einem Meter pro Jahr und hielt fünf bis zwanzig Millionen Jahre lang an. Damit hat wahrscheinlich nicht nur die
Kontinentalverschiebung das Gesicht der Erde geformt, sondern auch die zehn- bis hundertmal schnellere Polverlagerung. In erdgeschichtlich relativ kurzer Zeit könnten sich auf diese Weise ganze Kontinente von den Tropen in arktische Bereiche verschoben haben.
Wenn sich Sedimentgesteine bilden, richten sich in ihnen winzige magnetische Partikel nach dem Magnetfeld der Erde aus. Nachdem der Stein ausgehärtet ist, bleibt diese Ausrichtung erhalten und ist somit eine Momentaufnahme der Lage des Gesteins zu den Polen der Erde. Die Gesteine, die das Forscherteam untersuchte, weisen eine ungewöhnliche magnetische Ausrichtung auf, die sich schlecht mit der Verlagerung des Gesteins durch die Kontinentalverschiebung erklären lässt. Nach Angaben der Wissenschaftler ist das schlüssigste Modell zur Erklärung dieses Phänomens, dass sich die Pole zum Zeitpunkt der Bildung dieses Gesteins an einem anderen Ort befanden.
Noch werten die Forscher ihre Ergebnisse allerdings noch nicht als zwingenden Beweis für die Theorie der Polarverschiebung. Sie suchen derzeit nach Sedimentgesteinen an anderen Orten der Erde, die ihre Ergebnisse untermauern. 800 Millionen alte Sedimentgesteine zu finden, ist jedoch schwierig, denn die meisten dieser Gesteine seien schon längst wieder von der Erdoberfläche verschwunden.
Adam Maloof (Universität in Princeton) et al.: Geological Society of America Bulletin, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1130/B25892.1 ddp/wissenschaft.de ?
Martin Vieweg