“3 – 2 – 1”, zählen Tobias Beck, Geschäftsführer des Schülerforschungszentrums (sfz) Südwürttemberg und vier der am Wasserrad-Projekt beteiligten Ochsenhausener Schüler Alexander Graf, Lucas Scherer, Benno Hölz und Niklas Remiger herunter. Erst geschieht nichts, weil das Wasser im Staurohr steigen muss – über das fünf Meter hohe Wasserrad hinaus. Doch dann füllen sich von oben die ersten der 48 Schaufeln mit Wasser, und nach einigen Sekunden des Zitterns beginnt sich das Rad zu drehen – alles hat geklappt. Bald wird das Wasserrad Strom produzieren. 17.000 Kilowattstunden soll es im Jahr zur Stromversorgung beitragen. Geplant und zu großen Teilen auch gebaut haben das Wasserrad die Schüler selbst.
Sie sind Exoten. Das legt zumindest die aktuelle PISA-Studie nahe. Nur wenige Schüler – und vor allem Schülerinnen – können sich vorstellen, einen naturwissenschaftlichen Beruf zu ergreifen. Diesem recht dürftigen Interesse setzt das im Jahr 2000 gegründete Schülerforschungszentrum Südwürttemberg eine Struktur entgegen, die, ähnlich wie eine Musikschule oder ein Sportverein, Interesse an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik wecken und junge Talente fördern soll. Über 100 betreuende Lehrer, Studenten und Ehrenamtliche unterstützen Schüler beim Tüfteln, Erfinden, Programmieren, Experimentieren, Messen und Beobachten. Das Schülerforschungszentrum Südwürttemberg war Vorbild für viele Projekte dieser Art in ganz Deutschland. Weitere Schülerforschungszentren gründeten sich zum Beispiel in Thüringen , Nordhessen und dem Saarland .
Das Wasserrad ist Teil eines standortübergreifenden Projekts, bei dem die Energiewende im Kleinen gelebt wird. Auch ein Windrad in Bad Saulgau ist Teil des Projekts. Schüler aus Überlingen haben einen Energiespeicher entwickelt, der CO 2 in Methan umwandelt – den Hauptbestandteil von Erdgas. Eine Datenbank in Ulm führt die Messdaten der verschiedenen Bereiche zusammen, die schließlich per App als Landkarte visualisiert werden. Auch das haben Schüler in ihrer Freizeit geschaffen. Ermöglicht hat die Umsetzung all dieser Ideen, neben den Spenden zahlreicher Firmen, Kommunen, Verbände und Privatpersonen, das Preisgeld des mit 100.000 US-Dollar dotierten Zayed Future Energy Prize . Dieser wird seit 2008 jährlich von den Vereinigten Arabischen Emiraten vergeben, um Projekte im Bereich von Klimawandel, Energiesicherung und Umweltschutz voranzutreiben.
“Energiewende 2030 – wer treibt sie voran?”
Die einzelnen Projekte, Konzepte und Modelle aus acht Standorten in Südwürttemberg sind zu einem Netzwerk geworden, das nun selbst ein Modell sein könnte – für eine Energiewende im Großen. Wer aber wird sie künftig vorantreiben, die Energiewende 2030? Dieser Frage widmete sich eine von bild der wissenschaft-Chefredakteur Alexander Mäder moderierte Podiumsdiskussion, die sich der Einweihung des Wasserrads anschloss. Eigentlich eine rhetorische Frage, wie Petra Evanschitzky, Sozialpädagogin und Lern-Konzeptentwicklerin für die Wissensfabrik , meinte. Dass die Energiewende in den Händen der heutigen Studenten und Schüler liegt, ist für sie klar.






