von THOMAS BÜHRKE
Die Wege des Planeten Mars geben den Himmelsforschern seit jeher Rätsel auf. Er bewegt sich unterschiedlich schnell über den Himmel – manchmal sogar in einer Schleifenbahn. Erst Johannes Kepler fand vor über 400 Jahren eine einleuchtende Erklärung für die Ursachen dieses seltsamen Verhaltens: Unsere Nachbarwelt zieht wie alle anderen Planeten um die Sonne – und zwar auf einer elliptischen Bahn, nicht auf einer kreisrunden, wie Nikolaus Kopernikus meinte. Diese Erkenntnis verhalf dem heliozentrischen Weltbild zum Durchbruch. Doch die Wege des Mars bereiten bis heute Kopfzerbrechen, wenn auch in anderer Hinsicht als zu Keplers Zeiten.
Vor 30 Jahren überraschte Jacques Laskar vom Pariser Observatorium die Fachwelt mit seinen Computersimulationen zur Stabilität des Sonnensystems. Er fand heraus, dass alle Planeten sich mit ihrer Schwerkraft so stark gegenseitig beeinflussen, dass die Elliptizität ihrer Bahnen und auch die Neigung ihrer Rotationsachsen nach einiger Zeit nicht mehr vorhersagbar sind: Sie schwanken in chaotischer Weise.
In seiner jüngsten Arbeit kamen Laskar und seine Kollegen zu dem Schluss, dass ihre Berechnungen der zurückliegenden 10 bis 20 Millionen Jahre noch ausreichend genau sind, um sie mithilfe von Paläoklima-Studien auf dem Mars überprüfen zu können. Alles, was davor geschah, lässt sich nur mit großer statistischer Unsicherheit angeben.
Starke Schwankungen der Neigung der Rotationsachse in Kombination mit Veränderungen der Bahnelliptizität führen zu Änderungen in der Sonneneinstrahlung auf der Oberfläche und damit zu Klimaumschwüngen. Auf der Erde sind solche Phasen der Warm- und Kaltzeiten als Milankovi´c-Zyklen bekannt (benannt nach dem serbischen Mathematiker Milutin Milankovi´c). Auf dem Mars sollten sich – so die Hoffnung der Planetenforscher – ähnliche Klimazyklen in den Eisablagerungen an den Polen widerspiegeln: Dickere, reinere Eisschichten entstehen im Allgemeinen in kalten Perioden, wenn sich mehr Eis ansammelt, während dünne, staubige Schichten aus wärmeren Phasen stammen, wenn sich weniger Eis aufbauen kann.
Bisherige Versuche, solche Klimawechsel in polaren Eisablagerungen zu finden, konzentrierten sich auf die beiden Polregionen. Dort sind schon auf alten Aufnahmen Eisschichtungen erkennbar. Im Jahr 2009 untersuchten zwei amerikanische Forscher von der Harvard University die Eiskappe am Nordpol mit dem Ergebnis, dass sich das Eis dort vor 30 bis 70 Millionen Jahren abgelagert hat. Einen klaren Bezug zu Änderungen der Bahn oder Rotationsachse des Planeten konnten sie jedoch nicht finden. Diese sehr alten Ablagerungen haben möglicherweise im Lauf der Zeit auch Eis durch Verdampfen verloren, wodurch feine Details verschwanden. Außerdem scheint Eis an den Polen langsam zu fließen – ähnlich wie Gletscher auf der Erde.





