Das Eis am Nordpol wird in den kommenden Jahren vermutlich weiterhin dünner werden. Dies liegt jedoch weniger an der Klimaerwärmung insgesamt, als vielmehr an längeren Polarsommern. Das berichten britische Forscher im Fachmagazin Nature (Bd. 425, S. 947).
Für ihre Messungen der Eisdicke werteten Seymour Lexon und seine Kollegen vom University College in London Radar- und Mikrowellenbilder von Satelliten aus den Jahren 1993 bis 2001 aus. Im Winter ist die Eiskappe am Nordpol im Durchschnitt etwas weniger als drei Meter dick. Dieser Wert kann von Jahr zu Jahr allerdings um 25 Zentimeter schwanken, stellten die Wissenschaftler fest.
Die beobachteten Schwankungen der Eisdicke weichen von den Vorhersagen theoretischer Modelle allerdings stark ab. Bislang gingen Experten davon aus, dass durch den Treibhauseffekt das Eis langsam und kontinuierlich dünner wird.
Auf der Suche nach einer Erklärung für das Phänomen verglichen die Wissenschaftler die Eisdicke im Winter mit der Dauer der Eisschmelze im Sommer und entdeckten einen eindeutigen Zusammenhang: Je länger der Polarsommer dauert, desto dünner ist die Eiskappe im Winter. Bereits ein zusätzlicher Sommertag kann das Eis um fast fünf Zentimeter abschmelzen lassen.
Sollte der in den vergangenen Jahren beobachtete Trend zu längeren Sommern anhalten, wird das Eis am Nordpol weiterhin dünner werden, so Lexon. Da die Eiskappe des Nordpols dünner ist als die der Antarktis, reagiert sie stärker auf die längeren Sommer.
ddp/bdw ? Katharina Vogelmann





