Einsteins fünf Publikationen wurden nicht einhellig begrüßt. So sehr zum Beispiel Max Planck die Überlegungen lobte, die heute als spezielle Relativitätstheorie zusammengefasst werden, so sehr lehnte er den Gedanken an die Doppelnatur des Lichts ab. Endgültig geklärt ist die Teilchennatur des Lichts aber bis heute nicht, und über die Frage, Doppelnatur ja oder nein, streiten Physiker immer noch.
Die erstaunlichste Theorie der Wissenschaftsgeschichte
Der sowohl Gelobte wie Getadelte ließ sich nicht aufhalten, seine Umwälzung der Physik voranzutreiben. 1915 konnte Einstein an der Berliner Universität die erstaunlichste Theorie der Wissenschaftsgeschichte vollenden. Sie änderte das Verständnis der Menschen vom Universum, in dem sie leben. Einstein gelang es, die seit Isaac Newton bekannte Schwerkraft dadurch zu verstehen, dass er die Gravitation als Eigenschaft des Weltraums identifizierte. Er konnte zeigen, dass massive Objekte – Sonnen zum Beispiel – die Geometrie der Einheit von Raum und Zeit (Raumzeit) verzerren, die unser Universum ausmacht. Einstein präsentierte vor 100 Jahren eine Einsicht, die mit dem gesunden Menschenverstand kaum nachzuvollziehen ist. Der große Physiker Werner Heisenberg meinte dazu, dass er sie zwar mit dem Kopf, nicht aber mit dem Herzen nachvollziehen kann.
Die Allgemeine Relativitätstheorie bleibt eine doppelte Herausforderung, gerade im Jubiläumsjahr. Zum einen eine Herausforderung für die Wissenschaftler: Sie müssen noch nachweisen, dass riesige Massen, die bei kosmischen Katastrophen in die Welt geschleudert werden, ihre Schwerkraft durch Wellen zu erkennen geben, die sich in der Raumzeit ausbreiten. Noch ist dies nicht gelungen, obwohl es immer wieder mal Erfolgsmeldungen gegeben hat. Alle mussten bislang wieder zurückgezogen werden. In diesem Jahr werden neue Anläufe unternommen, und ihnen soll viel Glück gewünscht werden.
Mit dem Herzen verstehen
Die zweite Herausforderung besteht in der Vermittlung der Einsichten von Einstein. Ich glaube, man kann gut und gerne behaupten, dass die meisten Menschen nur mit ihrem Herzen verstehen können, was Einstein in zehn Jahren mit viel Mathematik zusammengetragen hat. Mit dem Herzen verstehen – das bedeutet für den oben zitierten Heisenberg, mit der Sprache der Poesie sagen, was Physiker herausgefunden haben. Einstein selbst hat dazu einen Vorschlag gemacht. Ein Reporter bat Einstein einmal, ihm in einer Zeile zu erklären, welche Einsicht die Allgemeine Relativitätstheorie in das Universum gebracht habe. Der Physiker hielt sich an eine Empfehlung von Erich Kästner: “Wer was zu sagen hat, hat keine Eile, er lässt sich Zeit, und sagt’s in einer Zeile.”






